Weiterbildung bewerben: Warum viele Bildungsangebote leer bleiben

    Kurz zusammengefasst:
    • Nur rund 8 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland haben zuletzt an einer Bildungs- oder Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen – der EU-Durchschnitt liegt bei 12 Prozent.
    • Volkshochschulen verzeichneten 2022 über 5,43 Millionen Kursbelegungen, ein Plus von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Corona-Jahr 2021.
    • Die Bundesregierung will die Weiterbildungsbeteiligung bis 2030 auf 65 Prozent steigern – ein ambitioniertes Ziel angesichts einer breiter gemessenen Quote von 58 Prozent im Jahr 2022.
    • Wer Kurse füllen will, muss heute mehr tun als ein Programmheft drucken: klare Zielgruppenansprache, verständliche Sprache und durchdachte Printmaterialien entscheiden mit.

    Die Ausgangslage: Deutschland bildet sich seltener weiter als der EU-Durchschnitt

    Wer mit Bildungsangeboten für Erwachsene zu tun hat, kennt das Gefühl: Der Kursraum ist halb leer, obwohl das Thema eigentlich gefragt sein müsste. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts bestätigen diesen Eindruck. Rund 8 Prozent der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland haben in den vier Wochen vor der jeweiligen Erhebung an einer Bildungs- oder Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen. Im EU-Durchschnitt waren es 12 Prozent. Schweden kommt auf 36 Prozent, Dänemark auf 28 Prozent, Finnland auf 25 Prozent.

    Diese Differenz ist kein statistisches Rauschen, sondern spiegelt eine strukturelle Lücke wider, die auch die einzelne Volkshochschule oder Akademie vor Ort zu spüren bekommt: weniger Anmeldungen, mehr abgesagte Kurse, ein härterer Wettbewerb um dieselben Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

    Balkendiagramm Weiterbildungsteilnahme Deutschland im Vergleich zu EU-Durchschnitt, Finnland, Dänemark und Schweden
    Deutschland liegt bei der kurzfristigen Weiterbildungsteilnahme deutlich unter dem EU-Durchschnitt und weit hinter den skandinavischen Ländern. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Eurostat-Erhebung 2022.

    Zwei Zahlen, ein Problem: Warum die Statistik verwirrt

    In Presseartikeln kursieren häufig unterschiedliche Prozentwerte zur Weiterbildungsbeteiligung – das liegt an zwei verschiedenen Erhebungsmethoden. Die enger gefasste Quote misst nur die Teilnahme innerhalb der letzten vier Wochen vor der Befragung und liegt bei 8 Prozent. Die breiter angelegte Erhebung fragt nach der Teilnahme innerhalb der letzten zwölf Monate und kommt für 2022 auf 58 Prozent. Beide Werte sind korrekt, sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.

    Gut zu wissen: Die Bundesregierung orientiert sich an der breiteren Zwölf-Monats-Quote und hat sich als Ziel gesetzt, diese bis 2030 auf 65 Prozent zu steigern. Von den zuletzt gemessenen 58 Prozent aus ist das ein spürbarer, aber erreichbarer Schritt – vorausgesetzt, Bildungsanbieter erreichen die Menschen, die bislang außen vor bleiben.

    Wer weiterbildet sich – und wer nicht

    Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Altersstruktur. Von den 25- bis 34-Jährigen nahm 2022 noch knapp jede fünfte Person (18 Prozent) an einer Weiterbildungsmaßnahme teil. Bei den 35- bis 44-Jährigen waren es nur noch 7 Prozent. Genau in dieser Lebensphase, in der Familie, Beruf und Weiterqualifikation um dieselbe Zeit konkurrieren, bricht die Teilnahme spürbar ein.

    Für Bildungsanbieter heißt das: Kurszeiten, Kursdauer und die Art der Ansprache müssen zu dieser Zielgruppe passen. Ein Vormittagskurs unter der Woche erreicht kaum jemanden in dieser Altersspanne – ein kompaktes Wochenendformat oder ein Abendkurs mit klarer Zeitangabe schon eher.

    Volkshochschulen erholen sich – aber ungleich

    Ein positives Signal liefert die Volkshochschul-Statistik des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE): 2022 fanden an deutschen Volkshochschulen über 500.000 Kurse und Veranstaltungen mit rund 13,5 Millionen Unterrichtsstunden statt, insgesamt wurden mehr als 5,43 Millionen Kursbelegungen gezählt. Gegenüber dem Corona-Jahr 2021 ist das ein Plus von über 60 Prozent.

    Die Erholung verläuft jedoch nicht gleichmäßig über alle Themenbereiche. Besonders stark zugelegt haben die Programmbereiche Kultur/Gestalten (plus 75 Prozent) und Gesundheit (plus 70 Prozent). Sprachen bleiben mit rund 1,49 Millionen Teilnehmenden weiterhin einer der größten Bereiche überhaupt.

    ProgrammbereichEntwicklung ggü. VorjahrAnteil an Teilnehmenden
    Gesundheit+70 %28,3 %
    Sprachenstabil hoch27,5 %
    Kultur / Gestalten+75 %k. A.
    Politik, Gesellschaft, Umweltk. A.k. A.

    Quelle: DIE – Volkshochschul-Statistik 2022. Nicht für alle Bereiche liegen öffentlich vollständige Prozentwerte vor (k. A. = keine Angabe).

    Was Bildungsanbieter konkret tun können

    Die bundesweiten Zahlen erklären die Ausgangslage, ändern aber nichts an der Aufgabe vor Ort: Kurse müssen gefunden, verstanden und gebucht werden. Fünf Ansatzpunkte, die sich in der Praxis bewährt haben:

    1. Zielgruppe konkret benennen. „Weiterbildung für alle" erreicht niemanden. Ein Flyer für Berufsrückkehrerinnen liest sich anders als einer für Fachkräfte in der Umschulung.
    2. Nutzen vor Inhalt kommunizieren. Nicht „Excel-Grundkurs, 8 Termine", sondern was die Teilnehmenden hinterher tatsächlich können.
    3. Printmaterial dort einsetzen, wo die Zielgruppe wirklich ist. Auslage bei Jobcentern, Ärzten, Kitas oder Vereinen wirkt oft stärker als reine Online-Werbung, gerade bei älteren oder weniger digitalaffinen Zielgruppen.
    4. Klar strukturierte Kursflyer statt Textwüsten. Termine, Ort, Preis und Anmeldeweg müssen auf den ersten Blick erkennbar sein.
    5. Wiederholung einplanen. Eine einmalige Verteilaktion verpufft. Wiederkehrende Sichtbarkeit über mehrere Wochen erzielt deutlich mehr Anmeldungen.
    Tipp: Prüfe vor dem nächsten Semesterprogramm, welche drei Kurse in den letzten Durchgängen am schlechtesten gebucht waren – und ob das an der Zielgruppenansprache lag oder am Material selbst. Oft reicht ein überarbeiteter Flyer für Schulungen, um die Anmeldezahlen spürbar zu verbessern.

    Die Rolle von Printmaterial im Anmeldeprozess

    Digitale Kanäle sind für die Reichweite unverzichtbar, ersetzen aber nicht die haptische Wirkung eines gut gemachten Flyers oder Programmhefts, das im Wartezimmer, im Vereinsheim oder auf dem Küchentisch liegen bleibt. Gerade bei Zielgruppen jenseits der 45, die laut den Teilnahmequoten ohnehin seltener erreicht werden, entscheidet oft das gedruckte Material darüber, ob eine Information überhaupt wahrgenommen wird.

    Wer seine Werbemittel für Bildungsangebote durchdacht plant, sollte dabei nicht nur auf Optik, sondern auch auf Nachhaltigkeit achten – viele Institutionen und öffentliche Träger legen inzwischen Wert auf nachhaltige Drucksachen, wenn sie Kooperationspartner für Auslagestellen suchen.

    Auch das richtige Flyerformat spielt eine Rolle: Ein zu kleines Format geht in der Menge anderer Auslagen unter, ein zu großes wird selten mitgenommen. Ein Blick auf das passende Flyer-Format lohnt sich daher vor jeder Neuauflage des Programms.

    Quellen

    • Statistisches Bundesamt (Destatis): Weiterbildung – Teilnahmequoten, destatis.de
    • Statistisches Bundesamt (Destatis): Pressemitteilung „Weiterbildung: Teilnahmequote in Deutschland mit 8 % unter dem EU-Durchschnitt"
    • Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE): Volkshochschul-Statistik 2022, die-bonn.de
    • Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (DIE): wb.Fakten – Kennzahlen zur Teilnahme in der Weiterbildung

    Häufige Fragen zur Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland

    Redaktioneller Hinweis: Wer sein Kursprogramm für das kommende Semester überarbeitet, sollte nicht nur die Inhalte, sondern auch die Kommunikationsmittel neu denken. Ein gut gestalteter Flyer allein füllt keinen Kurs – aber er ist oft der erste Kontaktpunkt, an dem sich entscheidet, ob eine Anmeldung überhaupt zustande kommt.