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Ich bin ein Kontinent - Liebeslieder, Spiegelbilder und Verwandlungen

Ein Theaterabend mit Martina Roth (Gesang, Schauspiel) und Johannes Conen (Bewegtbild, Gitarre)

Ein junges, lebenshungriges Mädchen Susanna nimmt ihre nüchterne, steife Erzieherin mit in ihre kindliche Fantasiewelt, die um sagenhafte Geschichte, um Tiere und Fabelwesen kreist. In dieser fantastischen Welt von ausgreifenden Dimensionen thront dieses traumwandelnde Mädchen mit offenem, wilden Haar und in blutrotem Kleid wie eine Königstochter auf einer Leiter und fordert ihr Recht auf Liebe und Sinnlichkeit zu einem Mann.

Zwei Frauenfiguren, beide gespielt von Martina Roth. Susanna als reale Figur auf der Bühne, die Erzieherin als Charakter auf der Leinwand. Mit diesem Kunstgriff, der das Alleinstellungsmerkmal des „bewegtbild- theaters“ ist, entsteht so ein leidenschaftlicher, zauberhafter und eindringlicher Theaterabend, in den der Zuschauer mehr und mehr hineingezogen wird.

Der Text „Susanna“ stammt von der in Auschwitz ermordeten Dichterin Gertrud Kolmar.

Martina Roth ist Schauspielerin und arbeitete an den verschiedensten deutschen Bühnen u.a. Thalia - Theater Hamburg, Deutsches Schau- spielhaus Hamburg, Schauspiel Leipzig, Nationaltheater Mannheim, Cuvilliestheater in München, TAT Frankfurt, Staatstheater  Braunschweig, Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Oldenburg.

Johannes Conen ist Szenograph, Licht- und Videogestalter und Musiker und hat eine Vielzahl von Schauspiel- und Musiktheaterproduktionen an in- und ausländischen Bühnen visualisiert. U.a. Komische Oper Berlin, Oper Leipzig, Salzburger Festspiele, Nationaltheater Mannheim, Wiener Staatsoper, Staatstheater Braunschweig, Staatstheater Darmstadt.

Trailer, Presse + Fotos unter www.bewegtbildtheater.de

Zeit: Dienstag, 20. Januar 2015, 19.30 Uhr
Ort: PFL-Kulturzentrum, Peterstr. 3, Oldenburg

Leitung: Uwe Fischer, Ev. Akademie
Karten: 12,- € / erm. 9,- €
Vorverkauf:
- Ev. Akademie in Oldenburg, Haareneschstr. 60,
-NWZ Logo-Events  oder   Nordwest-Ticket Logo (hotline: 0421 36 36 36)

Ein Bild. Eine Schauspielerin. Ein Musiker. Das Bild wird zur Figur, zur Szene, es bewegt sich und bewegt die Handlung, das Spiel. Die Schauspielerin tritt in den Dialog mit der Frau auf dem Bild, die von ihr selbst gespielt wird. Der Musiker, der auch die Bilder komponiert und zum Bewegen gebracht hat, holt die Schauspielerin auf der Gitarre ab und lädt sie ein zum Lied. „bewegtbildtheater“, heißt diese außergewöhnliche, einzigartige Spielform, die Martina Roth und Johannes Conen entwickelt haben. „Ich bin ein Kontinent“ heißt die Produktion, mit der sie am Freitagabend bei „KunstRäume am See“ im König-Ludwig-Salon Starnberg eingeladen waren.

„Ich bin ein Kontinent“ ist der zweite Teil einer Trilogie, die das „bewegtbildtheater“ vergessenen Dichterinnen gewidmet hat. Der Produktion liegt ein Text der in Auschwitz ermordeten Dichterin Gertrud Kolmar zugrunde, die Erzählung „Susanna“. In diesem letzten überlieferten Prosawerk träumt sich eine junge Frau in eine andere Wirklichkeit, träumt von erfüllter Liebe zu einem sich entfernenden Mann und davon, dass alle beseelten Wesen einander erkennen und für wahr nehmen.

Martina Roth und Johannes Conen haben aus dieser Erzählung eine besondere Form des inneren Dialogs entwickelt. So tritt der in sich versponnenen, sich in eine kindliche Welt der Abgeschiedenheit zurückziehenden Susanna eine Erzieherin gegenüber, deren Aufgabe darin besteht, auf Susanna aufzupassen. Von Anfang an ist die Erzieherin fasziniert von Susannas Autonomie. Irgendwann bemerkt sie, dass Susanna sich nachts mit einem Mann trifft. Der Mann entzieht sich jedoch der jungen Frau, zieht fort nach Berlin und hinterlässt Susanna einen Brief, den die Erzieherin ihr aushändigt. In der Nacht darauf verschwindet Susanna, und die panisch besorgte Erzieherin erfährt am Bahnhof, dass Susanna den Rat des Fahrkartenverkäufers ernst genommen und dem Geliebten zu Fuß auf den Bahngleisen nachgelaufen sei. Es ist ihr Ende, sie gerät wortwörtlich unter die Räder.

Johannes Conen hat für die Geschichte ein großes Bild geschaffen, das nur andeutungsweise ein verlassenes Gebäude zeigt, in dem eine Eisentreppe nach oben auf eine Galerie führt. Im Vordergrund steht auf einem Stuhl ein Koffer, der Hintergrund ist ein weiter Horizont. Filmähnlich beginnt dieses Bild sich zu verwandeln, das Licht passt sich den Tageszeiten und dem sich ändernden Wetter an. Auf der Treppe erscheint die Erzieherin, gespielt von Martina Roth, und übernimmt die Funktion einer Erzählerin, während sie beginnt, den Koffer zu packen – alles auf dem Bild, alles zuvor aufgenommen. Vor dem Bild, auf der Bühne, agiert Martina Roth als Susanna. So wird die Welt der sich in einen Kokon aus Kinderverhalten einspinnenden Frau zur realen Welt, während die scheinbare Realität der Rahmenhandlung zum gemalt wirkenden Hintergrund wird. Immer wieder flechten Roth und Conen – an der Gitarre – vertonte Gedichte der Gertrud Kolmar in den Mono-Dialog ein und geben diesen Balladen eine eigene, dritte Stimme.

Ein Abend, der unter die Haut ging und die Zuschauer derart fesselte, dass eine gefühlte Ewigkeit lang kein Applaus möglich war. Das „bewegtbildtheater“ aus Trier und sein Stück „Ich bin ein Kontinent“ ist eine echte Perle in der an manch Blendwerk reichen Theaterszene.

(Sabine Zapplin, 1.12.2014)

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