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Samstag, 20. Mai 2017

„... und vergib uns unsere Schulden" (Matthäus 6, 12) / καὶ ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν

Filmkolloquium
Kreativ:LABOR, Bahnhofstr. 11, Oldenburg
Beginn: 11.00 Uhr
Ende: 21.00 Uhr

Man erzählt immer wieder von Bankern, die sich 1929 in der Wall Street aus dem Fenster stürzten. Robert Maxwell stürzte sich 1991 von seiner Jacht, wenige Stunden bevor sein Bankrott öffentlich wurde. Adolf Merckle, Inhaber von Ratiopharm warf sich 2009 angesichts der Finanzprobleme seines Unternehmens vor dem Zug.

Eine seltsame Handlung, denn es wird offensichtlich ein Zusammenhang zwischen Geld, Schulden, Bankrott und Ehre behauptet, der in einer aufgeklärten Gesellschaft im 21.Jahrhundert irrational erscheint. Für Bankrott gibt es keine Todesstrafe, doch der Suizid ist in solchen Fällen ein öffentliches Zeichen. Den Demütigungen des totalen Scheiterns entzieht man sich konsequent durch eine ebenso endgültige Handlung, von der man hofft, dass in dieser Haltung etwas anderes noch in Erinnerung bleibt als nur das gescheiterte Leben. Das ist ein Selbstverständnis, das nicht wenige beeindruckt, doch das sich die meisten Zeitgenossen nicht leisten können.

In einer globalisierten Welt ist die Börse mit ihrer standardisierten Sprache und Regeln der Handelsbeziehungen der Inbegriff einer globalisierten Öffentlichkeit. Eine Gesellschaft, die nur sich selbst als Maßstab begreift und in der Schulden eine Option für weitere, virtuelle Geschäfte sind.

Schulden sind aber reale Belastungen: Sie nehmen einem Individuum jede Bewegungsfreiheit und alle Perspektiven auf die eigene Zukunft, legen ganze Familien in Fesseln wie in anderen Epochen einst die Unfreien und Sklaven.

Die Bitte „... und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern" ist so gesehen auch eine radikale Bitte um Freiheit. Eine Bitte, die vor dem Hintergrund der Finanzkrise von 2008, in der zahllose Familien in den Ruin gestoßen wurden und einige europäische Staaten in eine reale Existenzkrise brachten, jenseits der wirklichen Möglichkeiten scheint.

Wer heute über Schuld und Schuldenvergebung sprechen will, muss über Geld reden, muss Geld neu verstehen bzw. so, wie es heute funktioniert. Credit Default Swap (CDS), Derivate, Leerverkäufe sind Begriffe, die mit der Finanzkrise in allen Medien beschworen, verflucht und erklärt wurden. Begriffe einer Dynamik, die seit den 80er Jahren einen Finanzmarkt etabliert hat, der – nicht zuletzt durch die Digitalisierung – eine virtuelle Wirklichkeit darstellt. Eine Wirklichkeit, in der die Gewalt mit unvorstellbarer Wucht tobt.
Schuldenvergebung ist gegenüber dieser Wirklichkeit ein radikaler Entwurf für das Leben. Ein Entwurf, den die meisten nur als Utopie und frommen Wunsch sich denken können. Dabei ist ein Widerspruch aufschlussreich: Die Preisfeststellungen an der Börse und der Wert des Geldes basieren auf Vertrauen. Schuldenvergebung setzt Vertrauen voraus. Wer aber Geldwerten vertraut, hat selten das Vertrauen, anderen die Schulden zu erlassen.

Wie zwischen Schuldnern und Verschuldeten Befreiung, Vergebung im nicht moralischen Sinn gedacht werden oder zumindest erzählt werden könnte, dieser Frage will das Filmcolloquium Oldenburg nachgehen.

Zwei Filme:

  • Der Film „Blast – Der Ausbruch" zeigt, wie schwer die Last von Schulden anderer zu tragen ist, wie schwer es ist, sich ihnen zu entziehen und dass denen, die nur die Drohungen, Forderungen und Bescheide sehen, nicht aber die Zusammenhänge verstehen, nur ein momentaner Ausbruch bleibt.
  • Demgegenüber beschreibt „Zeit der Kannibalen" die machtversessene Blindheit der zeitgenössischen Consulter, die ihre Logik zum Maßstab der Wirklichkeit erklären, sich selbst – weil sie diese Logik zu beherrschen scheinen – als Herren inszenieren und doch die Intrigen der Hauptgeschäftsetagen der Macht kaum verstehen.   www.zeitderkannibalen.de

Referent*innen:
- Norbert Ahlers, filmhaus ahlers, Varel
Mai-20 Sabine Plonz
- Dr. Sabine Plonz, Theologin, Coesfeld
- Prof. Dr. Martin Vialon, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Kosten: 28,- (inkl. Imbiss)

Kooperationspartner: Cine K Oldenburg

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