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Der Staat - Wie viel Herrschaft braucht der Mensch?

Prof. Dr Konrad Paul Liessmann, Wien - Vortrag

Fast so alt wie die Theorie des modernen Staates ist auch die prinzipielle Kritik am Staat, vorgetragen im Namen der Freiheit: "Die Idee der Menschheit voran, will ich zeigen, dass es keine Idee vom Staat gibt, weil der Staat etwas Mechanisches ist, so wenig als es eine Idee von einer Maschine gibt. Nur was Gegenstand der Freiheit ist, heißt Idee. Wir müssen also über den Staat hinaus! – Denn jeder Staat muss freie Menschen als mechanisches Räderwerk behandeln; und das soll er nicht; also soll er aufhören."

Diese Sätze stammen aus einem der merkwürdigsten Dokumente der europäischen Geistesgeschichte, dem sogenannten "Ältesten Systemprogramm des deutschen Idealismus", ein erst 1917 entdecktes Fragment, das um 1797 entstanden ist, höchstwahrscheinlich gemeinsam von Hegel, Schelling und Hölderlin verfasst. In der Phase der Entstehung des modernen Staates, wenige Jahre nach der Französischen Revolution, wird die prinzipielle Unvereinbarkeit von Staat und Freiheit festgehalten. Nicht aus Sorge um die Freiheit der Märkte allerdings, sondern aus Sorge um die Freiheit des Geistes wird dem Staat eine Absage erteilt – ein Motiv, das mittlerweile aus jeder Form der Staatskritik verschwunden ist. Im Vortrag wird diese Diagnose auf die aktuelle Debatte über die Rolle des Staates angewandt.

Konrad Paul Liessmann (* 13. April 1953 in Villach) ist außerordentlicher Professor am Institut für Philosophie der Universität Wien. Außerdem ist er als Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist tätig. Liessmann studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Wien und war als junger Student zeitweilig bei den Marxistisch-Leninistischen Studenten aktiv. 1976 machte er das Magisterium, 1979 die Promotion, 1989 die Habilitation.

Einem breiteren Publikum wurde Liessmann durch seine gesprochenen Beiträge der Ö1-Hörfunkreihe "Denken und Leben" bekannt, in denen er die namhaftesten Philosophen des Abendlandes biographisch und thematisch erörtert. Liessmann äußert sich immer wieder mit kontroversen Essays zu Themen wie Bildung, Bürgertum und Zeitgeist in den Feuilletons der österreichischen Tageszeitungen "Der Standard" bzw. "Die Presse" und der Wochenzeitschrift "profil". Durch seine kontinuierliche Präsenz in den österreichischen Medien prägt er das Bild des Faches Philosophie in der Öffentlichkeit.

Im Januar 2007 wurde Liessmann mit dem Titel "Wissenschaftler des Jahres 2006" vom Club der österreichischen Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wird den Wissenschaftern vor allem für das Bemühen verliehen, ihre Arbeit und ihr Fach der breiten Öffentlichkeit verständlich zu machen. Mit der Auszeichnung verbunden ist die Benennung eines Sterns nach Liessmann.

Aktuelle Publikationen:

  • 2006 Theorie der Unbildung: Die Irrtümer der Wissensgesellschaft
  • 2007 Die Freiheit des Denkens
  • 2007 Zukunft kommt - Die säkularisierte Heilserwartung und ihre Enttäuschungen
  • 2009 Schönheit

Referent: Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann (Wien)
Zeit: Montag, 31. Januar 2011, 18 - 20 Uhr
Ort: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Uhlhornsweg, Gebäude A 14–1103 Hörsaal 3
Leitung: Prof Dr. Dr. Reinhard Schulz

Eine Veranstaltung des Instituts für Philosophie der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg in Kooperation mit der Akademie der Ev. Luth. Kirche in Oldenburg

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