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Evangelische Zeitung, Sonntag, 2. Juni 2013

Kein Kaffee aus dem Ammerland

Veranstaltungsreihe “Essen und Gesellschaft”: Diskussion und Ausstellung über "Hunger im Überfluss" und mehr Nachhaltigkeit

Hunger im Ueberfluss_1Die Infotafeln der Wanderausstellung "Hunger im Überfluss" regten die Besucher im Bibliotheks-Foyer der Uni Oldenburg zu angeregten Diskussionen an.

Lebensmittel im eigenen Garten anbauen, Bauernhöfe vor Ort direkt unterstützen, Agrarsubventionen stoppen – das sind nur einige der Punkte, die laut Umweltökonom Niko Paech für das Leben in einer nachhaltigen Welt nötig sind. "Ich weiß, es klingt wie eine Utopie", sagt der Oldenburger Professor. "Aber einfach so weiterzumachen wie bisher, ist auch eine Utopie – und zwar eine verantwortungslose."

Zur Eröffnung der Ausstellung "Hunger im Überfluss" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Essen und Gesellschaft" waren Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech und die Umweltaktivistin Hanna Poddig am Freitag, 17. Mai, im gut besuchten Bibliothekssaal der Uni Oldenburg zu Gast. Das Tischgespräch zur Ausstellungseröffnung stand unter dem Motto "Wir haben's satt". Die Ausstellung zeigt im Foyer der Uni-Bibliothek noch bis Donnerstag, 27. Juni, auf 17 Schautafeln was der Hunger in der Welt mit unserem Konsum vor Ort, mit Klimafragen, Fleischexporten und Bio-Treibstoffen zu tun hat.

Das Tischgespräch fand als Kooperation von Evangelischer Akademie Oldenburg, dem Bibliotheks- und Informationssystem der Carl von Ossietzky Universität und dem Ökumenischen Zentrum Oldenburg statt.

"Man kann mehr selbst kochen, Abfälle vermeiden, sich etwas von zu Hause mitnehmen, statt Coffee-to-go im PET-Becher kaufen", antwortet Umweltökonom Niko Paech auf die Frage, wo jeder Einzelne beim Thema mehr Nachhaltigkeit ansetzen kann. "Wir werden nie in einer Welt leben, in der wir den Kaffee im Ammerland anbauen, wir können aber immerhin fair gehandelten Kaffee kaufen. Und wir können selbst Beispiele liefern, die anderen Mut machen, oder auch subversive Projekte unterstützen, wie etwa das sogenannte Containern."

Hunger im Ueberfluss_TischgespraechSie diskutierten in der Uni Oldenburg über das Thema "Hunger im Überfluss" und eröffneten die gleichnamige Ausstellung: Brigitte Gläser, Pfarrerin und Leiterin der Evangelischen Akademie Oldenburg, Stefan Buss, Pfarrer im Ruhestand, Umweltaktivistin Hanna Poddig und der Oldenburger Nachhaltigkeitsforscher Prof. Niko Paech (v.l.).

"Viele Menschen fragen sich – und mich – was sie tun können, um nachhaltiger zu leben", sagt Hanna Poddig, die als Umweltaktivistin zum Umdenken anregen will. Sie selbst versucht, soweit möglich ohne Geld zu leben, und sie propagiert das “Containern”: Die 27-Jährige versorgt sich aus Abfallcontainern von Supermärkten mit Lebensmitteln. Eine Möglichkeit, die auch in Oldenburg praktiziert wird, wie am Freitag ein Kommentar aus dem Publikum zeigte. "Wenn ich Leute im Bio-Supermarkt beobachte, sehe ich ihnen oft an, dass sie denken: Hier ist alles toll, hier bin ich bei den Guten", so Poddig. Aber auch dort werde von weit her importiertes Obst und Gemüse verkauft. "Man sollte öfter seinen eigenen Verstand einschalten, es gibt überall Ansatzpunkte für Kritik", findet Hanna Poddig.

Der Nachhaltigkeitsforscher Paech, der an der Uni Oldenburg lehrt, geht besonders auf das Thema "Verantwortung" ein: "Die Nahrungsmittelindustrie unterteilt ihre Produktion, um die Kosten zu senken, in so viele kleine Einheiten an verschiedenen Produktionsstätten, dass diese Abläufe keiner von uns durchschauen kann. Das ist organisierte Verantwortungslosigkeit." Sein Vorschlag: "Sparsam, regional und saisonal konsumieren – oder auch mal gar nicht. Wer braucht Orangen aus Israel?"

Hunger im Ueberfluss_2Die Ausstellung "Hunger im Überfluss" wird im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Essen und Gesellschaft" gezeigt. "Die Ausstellung führt uns die Welt der Nahrungsmittelindustrie mit ihren Produktionsbedingungen vor Augen", erklärt Brigitte Gläser, Pfarrerin und Leiterin der Evangelischen Akademie Oldenburg, welche die Reihe mit organisiert hat. "Es geht um unser Essverhalten hier vor Ort und um die globalen Zusammenhänge. Wir wollen uns als Christen öffentlich mit dem Thema auseinandersetzen und berufen uns dabei auch auf die Bibel, auf den Akt des Teilens, auf das liturgische Abendmahl sowie auf das Motto des zurückliegenden Kirchtages 'Soviel du brauchst'."

Antje Wilken

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