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NWZ, Montag, 15. Oktober 2012

RELIGION

Gewaltbereitschaft radikaler Muslime diskutiert

Salafismus Thema in der Lambertikirche - EKD-Beauftragter Wolfgang Reinbold zu Gast

OLDENBURG Wutentbrannte Massen, bärtige Muslime, die ihre Fäuste kämpferisch gen Himmel recken - Bilder wie diese rütteln die westliche Welt auf. Aber geben sie auch ein realistisches Bild der islamischen Bevölkerung wider? "Wir gehen den Radikalen auf den Leim, wenn wir denken, alle, die nicht radikal sind, seien ja keine 'echten' Muslime", warnte Prof. Dr. Wolfgang Reinbold, Islam-Beauftragter der
Evangelischen Kirche (EKD) während seines Beitrags als Gast in der Lambertikirche.

Dort diskutierte er über das Thema "Salafismus - eine Randerscheinung im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit" mit Pfarrer i.R. Michael Munzel, Pfarrer Olaf Grobleben (Sektenbeauftragter) und Pfarrerin Brigitte Gläser (Ev. Akademie). Sie meinte, wir nutzten durch eine allzu eurozentrische Weltbetrachtung den und das Andere als Projektionsfläche. Das geschehe immer dann, wenn über den Islam gesprochen werde, anstatt dessen Mehrstimmigkeit wahrzunehmen.

Integrationsfallen
Das unterstrich auch Reinbold, der von Integrationsfallen und Schubladendenken sprach. "Diese Identitätsfallen müssen wir meiden", sagte er. Es gebe den Muslim genauso wenig wie den Christen. Reinbold zitierte Umfragen, wonach 100 Prozent der Befragten in Deutschland beim Stichwort Islam an Intoleranz dächten und mehr als 60 Prozent an Gewaltbereitschaft - und nur fünf Prozent an Menschenrechte.

Reinbold hält die Schätzungen des Verfassungsschutzes für zu niedrig, wonach 4000 bis 5000 Salafisten in Deutschland lebten (knapp 300 in Niedersachsen). "Nach meinem Eindruck gibt es aber weitaus mehr Sympathisanten", so der EKD-Beauftragte. Es gelte die wenigen gewaltbereiten Muslime ins Visier zu nehmen. "Der Innenminister hat recht, wenn er sagt, dass die Gewaltbereitschaft aus den Reihen der Salafisten kommt", meinte Reinbold. Die nahezu ungehinderte Verbreitung extremistischen Gedankengutes über das Internet sieht er als Problem. Pfarrer Michael Munzel wertet das als globale Herausforderung. Er sieht nach den Wahlen in Ägypten, bei denen die Salafisten 25 Prozent der Stimmen bekamen, eine wachsende Gefahr der Radikalisierung.

Bildungsverlierer
Laut Reinbold fasziniert der Salafismus besonders junge Menschen, die sich nirgends zugehörig fühlen. "Sie geben eine klare Orientierung über Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Und sie bieten Zusammenhalt in der Gruppe." Reinbold warnte davor, junge Muslime in Deutschland zu Bildungsverlierern zu machen.

Das Gedankengut des Salafismus machte er an mehreren Beispielen deutlich, wonach nicht nur Christen und Juden zu bekehren oder zu töten seien, sondern auch Muslime, die Andersgläubige tolerierten.

Das Bild, das im Westen über die Menge der gewaltbereiten Muslime ankommt, wollte Pfarrer Olaf Grobleben dennoch zurechtgerückt wissen. Er wies u.a. darauf hin, dass von 80 Millionen Muslime in Ägypten nur 2500 protestiert haben.

Er lenkte die Perspektive überdies darauf, dass in den vergangenen Jahren in Deutschland mehr als 250 Menschen Opfer rechtsradikaler Gewalt geworden seien und nur zwei Opfer radikaler Muslime.

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