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NWZ, Samstag 9. Juni 2012

Pädagogin setzt sich für Integration ein

Zu Gast Lamya Kaddor wird zu den einflussreichsten muslimischen Frauen Europas gezählt

Kaddor Foto in der NWZHielt einen Vortrag im PFL: Lamya Kaddor

Sie hat in Münster studiert. Ihre Vorfahren kommen aus Syrien, um das Land sorgt sie sich.

Von Sabine Schicke

Oldenburg - „Verhindert Religion Integration?“ Dieser Frage ging Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor (33) bei dem Vortrag in der Reihe „Integrationsgeschichten“ am Donnerstag im PFL nach. Die in Duisburg lebende Autorin zählt zu den Pionierinnen der islamischen Religionspädagogik und unterrichtet in Dinslaken an einer Hauptschule in den Klassen 5 bis 10 Islamkunde in deutscher Sprache. In dem Unterricht gehe es darum, den Koran zu verstehen. In den Koranschulen hingegen werde hauptsächlich rezitiert und arabische Sprache und Schrift gelehrt.

Die Tochter syrischer Einwanderer wuchs in Westfalen auf, studierte in Münster Arabistik, Islamwissenschaften, und Erziehungswissenschaften. Sie bildete zeitweise dort anschließend islamische Religionslehrer aus. Bekannt wurde sie etwa durch eine Koranübersetzung für Kinder und Erwachsene.

Nicht zuletzt aufgrund ihres Buches „Muslimisch-weiblich-deutsch! Mein Leben mit einem zeitgemäßen Islam“ ist die Mitbegründerin und Vorsitzende des „Liberal-Islamischen Bundes“ häufig zu Gast in Talkshows und spricht im ZDF bisweilen im „Forum am Freitag“. Von der paneuropäischen Organisation Cedar wird sie als eine der einflussreichsten islamischen Frauen Europas gewertet. Im November 2011 überreichte ihr Staatsministerin Maria Böhmer die Integrationsmedaille.

Für Lamya Kaddor ist wichtig, dass Menschen nicht auf ihr Muslim-Sein reduziert werden. So werde sie nicht als Mutter einer Tochter oder eines von vier Geschwistern oder verheiratete Frau (die übrigens im Gegensatz zu ihrer Mutter aus Überzeugung kein Kopftuch trägt), nicht als Lehrerin oder Akademikerin wahrgenommen, sondern nur als Muslimin. Das sei nicht nur bei ihr so, die sich quasi als Sonderfall in der Rolle als Berufsmuslimin sehe.

„Seit Thilo Sarrazin hat sich die Islam-Debatte noch einmal verschärft und ihr Niveau ist unterirdisch geworden“ beklagt sie und wünscht eher die Stärkung der liberalen Kräfte. So verstehe sie den Liberal-Islamischen Bund auch als bunte Mischung über Glaubensgrenzen hinweg. Den Deutschen bescheinigt sie eine gewisse Wagenburg-Mentalität, die die Integrität schwermache.

Lamya Kaddor sieht Deutschland als ihre Heimat, hegt aber auch heimatliche Gefühle für Syrien. Um das Land und ihre Verwandten dort sorgt sie sich. „Ich verstehe nicht, warum keine humanitäre Hilfe zugelassen wird.“

Lamya Kaddor kam u.a. auf Einladung der Evangelischen Akademie, der VHS und der Stadt nach Oldenburg.

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