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Evangelische Zeitung, Sonntag, 07.02.2010

Menschen als "Tempel Gottes"

Oldenburg. Der Theologe Eugen Drewermann hielt jetzt einen Vortrag zum Thema "Was würde Jesus dazu sagen? – Betrachtungen zum Lukas-Evangelium" in der Lambertikirche.
"Der wahre Tempel Gottes sind Menschen. Und wenn ihr sie besucht, dann so, als beträtet ihr das Heiligtum Gottes. Barfuß. Respektvoll. Ungeschützt. Da, wo ein Mensch einem anderen begegnet, mit Mitleid für das Leid des anderen, wohnt Gott und lässt er sich finden", sagte Drewermann. Der Theologe, der aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber der katholischen Amtskirche 1992 von seinem Priesteramt suspendiert worden war, sprach über Themen wie Vergebung, Krieg und Gewalt sowie den Umgang mit Macht und Geld im Sinne Jesu.
Drewermann fasste die zentralen Aussagen des Lukasevangeliums zusammen. "Vergebt allen alles" sei eine wesentliche Botschaft. Menschen bräuchten die Erlaubnis, etwas falsch machen zu dürfen, weil sie sonst überhaupt nichts wagen würden, sagte er. "Gott muss uns nicht nur vergeben, was wir getan haben, er muss uns sogar vergeben, was wir noch tun werden. Denn sonst würden wir aus lauter Angst und Gefahr vor Schuldgefühlen gar nichts mehr tun."
In diesem Zusammenhang kritisierte Drewermann auch das kapitalistische Wirtschaftssystem, das nur ganz bestimmte Menschen favorisiere und Verhaltensnormen vorgebe. Wer sich an diese nicht halte, verdiene es nach der Logik dieses Systems dann auch beispielsweise, pleitezugehen. Die simple Entdeckung Jesu sei, dass Geld niemandem gehöre. Wer Geld habe, solle sich fragen, was er am besten damit tun könne, um anderen zu helfen. Banken würden durch die Einnahme von Zinsen die Not anderer dahingehend ausnutzen, dass sie an ihnen verdienten, kritisiert Drewermann weiter. "Besitz und Macht müssen wir neu definieren als Durchlaufposten, als etwas, das uns geschenkt wurde zum Weiterschenken", sagte er.
Auch zum Afghanistaneinsatz äußerte sich Drewermann kritisch. Angesichts der neuen Afghanistanstrategie, die jetzt in London ausgearbeitet worden sei, sollen die Menschen aufhören zu glauben, "dass wir Kriege humanitär führen würden." Drewermann sagte weiter: "Wir haben dort nichts verloren, das ist die Wahrheit. Wir haben kein Recht, anderen eine Kultur aufzuzwingen, die nicht ihre ist."
Zu Drewermanns Vortrag waren rund 700 Zuhörerinnen und Zuhörer in die Lambertikirche gekommen. Aufgrund wetterbedingter Zugausfälle erschien der katholische Theologe jedoch erheblich verspätet. Die Organisatoren, die Evangelische Akademie, die Stadtkirchenarbeit und die Evangelische StudentInnengemeinde Oldenburg, hatten die Wartenden nach Hause geschickt, da es keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme zu Drewermann gab.
Doch rund 150 Menschen hatten noch ausgeharrt und konnten den Vortrag Drewermanns hören. Die Akademie plant eine Wiederholung der Einladung. Die bereits für die Veranstaltung in der vergangenen Woche gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit, teilte die Akademie mit. Sie könnten jedoch auch zurückgegeben werden.

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