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NWZ vom 25.06.09

Ernesto Cardenal von Liebe bewegt

KONZERTLESUNG 800 Besucher in der Kirche
OLDENBURG - Mehr geht nicht: Fast 800 Menschen sind in der Lambertikirche zusammengekommen, bis auf die oberen Emporenplätze haben sie sich verteilt. Alle wollen sie ihn hören, sehen und lassen sich von ihm und seinen Worten begeistern: Ernesto Cardenal, nicaraguanischer Befreiungstheologe.
"Ich hatte eine Vision, ich sah alles geordnet von Liebe. Sie bewegte die Autos. Die modischen Kleider der jungen Mädchen, die Mutter mit dem Kind auf der Straße - alles war Liebe", liest der 84-Jährige aus "Kosmischer Gesang" vor - auf Spanisch. Damit seine Botschaften trotzdem bei allen ankommen, wird seinen Texten die deutsche Stimme von Klaus Götte verliehen, der direkt neben Cardenal sitzt.
Im "Buch der Liebe" geht es dann um die Entdeckung von Gott als Liebe: "Alle Menschen werden mit verwundetem Herzen und unstillbarem Durst geboren" - dem Durst nach Gott. "Der Mensch denkt immer: Mit ein wenig mehr hätte er genug. Dann will er doch immer mehr. Und immer wird er gleich unbefriedigt bleiben, ohne dass er jemals satt würde."
In einem Gedicht, das er über Marilyn Monroe nach deren Tod schrieb, zieht der Autor eine kritisch-traurige Bilanz des Lebens eines Mädchens, das "nach Liebe hungerte und Opfer eines Systems ohne Liebe wurde."
Lateinamerikanische Musik der "Grupo Sal" umrahmte die Lesung. In einem Stück ging es um einen armen Jungen aus Buenos Aires; ein peppiges Salsastück spielten die Musiker auch - "das ist eigentlich zum Tanzen gedacht, aber man kann auch zuhören", so die Musiker. Auch der Oldenburger Chor Bundschuh trug mit spanischem und deutschem Gesang zum Abend bei.
"Es gefällt mir sehr gut", meint Besucherin Christa Meyer. "Die Musik ist sehr mitreißend. Alle freuen sich, dass Ernesto Cardenal endlich mal in Oldenburg ist." Was der Autor an Kritik vorzutragen hat, findet Hilbert Meyer passend: "Die Kritik bekommt Aktualität durch die Finanzkrise. In Oldenburg gibt es eine große Gruppe, die der Meinung ist, dass es gerechter zugehen muss."
Am Ende gibt es großen Beifall für die Musiker - und für Cardenal begeisterte stehende Ovationen.


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