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DIABOLO WOCHENZEITUNG  vom 04. Juni 2009

Ratten als Sündenböcke

Theaterpädagogen bearbeiten zum Abschluss ihrer Ausbildung das Märchen vom "Rattenfänger von Hameln"

"Das Maskentheater bietet eine gute Möglichkeit, auch mit unerfahrenen Schauspielern schnell ein Stück auf die Bühne zu bringen", weiß Pädagoge und Kulturreferent Uwe Fischer von der Akademie der Evangelisch-Lutherischen Kirche Oldenburg. Die Hemmungen der Darsteller sinken, weil sie sich hinter den Masken verborgen sicherer fühlen. Gleichzeitig finden sie sich rascher in ihre Rollen ein und müssen keinen Text lernen. 14 frisch in der Akademie ausgebildete Spiel- und Theaterpädagogen zeigen am Sonntag, den 7. Juni in der Theater Fabrik Rosenstraße eine Märchen-Bearbeitung vom "Rattenfänger von Hameln", in der sie diesen Effekt am eigenen Leib erproben können. Mit der Aufführung schließen sie zugleich die zweijährige Ausbildung zum Spiel-und Theaterpädagogen ab.

Es ist ein ambitioniertes Thema, mit dem sich die Absolventen befassen: die Unterdrückung und Tabuisierung von Minderheiten. Vorlage bietet den Theatermachern das Stück "Die Lüge von Hameln" von Jörg Scheibe, das am "Rattenfänger von Hameln" darstellt, wie die ungeliebten Nager unschuldig als Sündenböcke für Missstände herhalten müssen. "Die moderne Fassung des Märchens wird einerseits in die Zeit des Rattenfängers führen, aber auch aktuelle gesellschaftliche Themen beleuchten", kündigt Kulturreferent Fischer an. "Doch was letztlich genau den Besucher erwartet, weiß  jedoch noch niemand", erklärt er. "Schließlich entsteht das Stück in vier Tagen vor der Aufführung." Mehr Zeit bleibt der Truppe nicht, zumal die Teilnehmer meist berufstätig sind und die Fortbildung nebenbei absolvieren.

"Mit Sicherheit lassen die Pädagogen dabei auch ihre Erfahrungen aus den Seminaren einfließen", sagt Fischer. Bei ihrer Arbeit finden sie professionelle Unterstützung von Schauspielern des Freiburger Theater R.A.B. "Len Shirts und Franziska Braegger sind Spezialisten für Bewegungs- und Maskentheater und werden ihr Wissen und Können mit einbringen", so der Kulturreferent von der Akademie. Der Schauspieler aus den USA und die Schauspielerin aus der Schweiz sind in diesem Jahr zum dritten Mal dabei.

Die Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg bietet seit jetzt 20 Jahren pädagogisch Arbeitenden die Gelegenheit, in der  Ausbildungsgruppe Spiel- und Theaterpädagogik ihren fachlichen Horizont zu erweitern. "Die Fortbildung ist vor allem praxisorientiert", erklärt Fischer. "Die Teilnehmer starten eigene Projekte und arbeiten stets mit anderen Gruppenmitgliedern zusammen."

Die Ausbildung umfasst insgesamt sechs Wochenend-, drei Blockseminare sowie mehrere Supervisionstreffen. Das Angebot der Akademie ist gleichermaßen auf die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ausgerichtet. Der Abschluss ist allerdings nicht staatlich anerkannt. Trotzdem nehmen laut Fischer viele Lehrer, Therapeuten und Psychologen das Fortbildungsangebot an. Interessenten können sich beim Kulturreferent unter der Telefonnummer 0441-7701431 zur Aufführung anmelden oder sich Informationen zur neuen Ausbildung zuschicken lassen.

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