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Wilhelmshavener Zeitung vom 15.01.2009

Globalisierung im Sinne aller Menschen

VORTRAGSREIHE Pfarrer Ahlerich Ostendorp referierte über Neoliberalismus
SANDE/JS - Wenn die Unternehmen in den wohlhabenden Industrienationen gute Profite machen, werden von den Tischen der Reichen einige Brosamen nach unten fallen und so auch für Wohlstand in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern sorgen.
Diese Voraussage, die Anfang der 1980er-Jahre im Zuge des wieder aufkommenden Neoliberalismus die Weltwirtschaft bestimmte, hat sich nach Ansicht von Ahlerich Ostendorp nicht erfüllt. In seinem Auftaktreferat zur Veranstaltungsreihe zum Thema Globalisierung (die WZ berichtete) im evangelischen Gemeindehaus in Sande forderte der Pfarrer deshalb eine "andere Globalisierung, nämlich die im Sinne aller Menschen".
Ostendorp ging zunächst auf die Ursachen der derzeitigen Weltfinanzkrise und deren Auswirkungen auch auf die Rohstoffmärkte ein. Seit Beginn der Finanzkrise seien von großen Anlegern Bodenschätze und Nahrungsmittel als profitable Spekulationsobjekte entdeckt worden, so der Pastor und Leiter der Projektstelle Globalisierung der ev.-ref. Kirche in Nordhorn.
Dabei waren laut Ostendorp bereits die schon vor Beginn der Finanzkrise vorherrschenden hohen Nahrungsmittelpreise eine "Katastrophe für die Armen Ländern". In der Zeit von 2007 bis 2008 sei die Zahl der Menschen, die weltweit in absoluter Armut leben, um 130 Millionen auf gut eine Milliarde gestiegen, Nahrungsmittelspekulationen seien eine Ursache gewesen.
Laut Ostendorp halten sich aber auch die Industrieländer nicht immer an die Regeln des freien Welthandels, indem eigene Produkte geschützt oder Importe aus der sogenannten Dritten Welt durch nicht-tarifäre Handelshemmnisse erschwert werden. Auch kritisierte der Pastor, dass in ärmeren Ländern die heimische Landwirtschaft nicht selten durch billige Agrarexporte aus der EU und den USA ruiniert wird. Doch auch für die Menschen in den Industrieländern hat die Globalisierung nach Ansicht von Ostendorp negative Folgen. Hier kritisierte er vor allem international agierende Unternehmen, die marode Firmen aufkaufen, diese fit für den Markt machen und dann wieder mit Gewinn verkaufen. Die Folge für die Beschäftigten: Entlassungen, Lohnverzicht, Leiharbeit.
Trotz aller Kritik gibt es für Ostendorp "keine Alternative zur Globalisierung". Seiner Ansicht nach funktioniert diese weltwirtschaftliche Ideologie aber nur dann, "wenn die Partner auf Augenhöhe sind". Das heißt für den Referenten in der Praxis, dass für die Entwicklungsländer befristete Schutzzölle für Agrarerzeugnisse und Industrieprodukte erlaubt sein müssen: "Der Arme muss mehr Schutz haben als der Reiche."
Die nächste Veranstaltung ist am 22. Januar um 19.30 Uhr im ev. Gemeindehaus in Sande. Ahlerich Ostendorp spricht dann zum Thema "Globalisierung als Herausforderung für die Kirchen".

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