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Evangelische Zeitung 27.04.08

Theater bringt Jugendliche "weg von der Reservebank"

Auf Einladung der Akademie trafen sich in Oldenburg Jugendtheater-Initiativen und Theaterpädagogen
"Was ist dein Thema?" Wenn Jugendliche diese Frage beantworten, kann daraus die Idee für ein neues Theaterstück wachsen. Es kann auch ein erster Schritt zu der Selbstentfaltung sein, die Theaterarbeit jungen Menschen ermöglicht. Unter dem Motto "Weg von der Reservebank" haben sich Oldenburger Theaterpädagogen und theaterbegeisterte Jugendliche zu einer Fachtagung getroffen. Eingeladen hatten die Akademie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, die Universität Oldenburg und der Verein Jugendkulturarbeit. "Die Jugendtheaterszene in Oldenburg ist herausragend", lobt Benedikt Sturzenhecker, Pädagogik-Professor an der Universität Hamburg. Vereine, Schulen, die Universität und die Kulturzentren der Stadt bilden ein Netzwerk, das nicht durch Konkurrenz, sondern durch Kooperation gekennzeichnet ist, meint Jörg Kowollik vom Verein Jugendkulturarbeit. So bieten Lehrende und Studierende der Universität an Schulen Theaterprojekte an. Christiane Abt, küntlerische Mitarbeiterin an der Universität, arbeitet gerade mit der Grundschule Haarentor zusammen. "Zwei Schüler haben wir durch die theaterpädogische Förderung vor der Zuweisung zur Sonderschule bewahrt", berichtet sie.
Bei der Suche nach "ihrem" Thema sind die Jugendlichen vom Jungen Theater Bloherfelde auf den Verlust der Privatsphäre gestoßen: Im Internet kann jeder peinliche Fotos von anderen öffentlich machen, viele offenbaren sich selbst bedenkenlos in Foren wie "SchülerVZ". In einem "Zwischenspiel" zeigten die Jugendliche eine Szene mit Assoziationen zu Thema, viel Körperarbeit und Raum für eigene Gedanken. Das Junge Theater wird von fast Gleichaltrigen angeleitet: Jonas Freitag ist Abiturient und durch den Jugendclub der Kulturetage zum Theater angekommen. Ihm zur Seite stehen eine deutsche Kollegin und eine Französin, die im Austausch gegen einen deutschen Jugendlichen als Freiwillige hier mitarbeitet. Die internationalen Kontakte schätzt Jonas besonders an der Oldenburger Szene: "Was ist eigentlich Europa? Das erfährt man hier."
Uwe Fischer, Kulturreferent der Evangelischen Akademie und dort auch Leiter der Ausbildung "Spiel- und Theaterpädagogik", möchte die Fachtagung gleichzeitig als Netzwerktreffen wie als fachlichen und gesellschaftspolitischen Impuls verstanden wissen. Ihm ist wichtig zu vermitteln, dass Theater auch Beziehungsarbeit bedeutet: Ohne Einfühlung in andere läuft auf der Bühne nichts. Aber auch in der gemeinsamen Arbeit sind Liebe und Zuwendung wichtig, meint Fischer. Benedikt Sturzenhecker, der Gast aus Hamburg, bescheinigt den Oldenburgern, im Miteinander auf einem guten Weg zu sein: "Hier werden sozio-kulturelle und Generationen-Grenzen aufgeweicht."
Annedore Beelte


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