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Delmenhorster Kreisblatt vom 16.02.07

Theologe Duchrow plädiert für "gezähmte Marktwirtschaft"

Heidelberger Professor kritisiert neoliberale GlobalisierungsIdeologie

DELMENHORST. Grundsätzliche Kritik an der Globalisierung neoliberaler Prägung aus christlicher Sicht hat am Mittwochabend der Heidelberger Theologe Professor Ulrich Duchrow vor 50 Besuchern im Gemeindehaus an der Lutherstraße geäußert. Auf Einladung der Evangelischen Familienbildungsstätte und der Akademie der EvangelischLutherischen Kirche in Oldenburg sprach sich Duchrow für eine "Globalisierung mit menschlichem Angesicht" aus. Dabei bezog er sich vor allem auf Dokumente weltweiter Kirchenzusammenschlüsse, die für wirtschaftliche Gerechtigkeit eintreten und eine erhöhte Rücksichtnahme auf die Erde und auf Menschen einfordern.
In klarer Sprache, in der konkrete Globalisierungsgewinner auch als solche bezeichnet wurden, brachte Ulrich Duchrow zum Ausdruck, dass sich die Weltwirtschaft gegenwärtig einem neoliberalen Projekt von Globalisierung zu unterwerfen habe, das von einer selbsternannten "Weltregierung", dem in diesem Jahr in Deutschland tagenden G-8-Zusammenschluss, gesteuert werde und im Kern auf Erpressungen vieler Spielarten und einer falschen Ideologie beruhe. Ihm werde von seinen Kritikern immer wieder vorgehalten: "Theologe, bleib bei Deinen Leisten", so Ulrich Duchrow. Er folge dieser Aufforderung regelmäßig gern, so der Professor kämpferisch. Dabei komme er auf der Basis der Bibel zu der Analyse, dass es sich beim ungezügelten Wettbewerb kapitalistischer Prägung und dem unbedingten Bestehen auf Verträgen und Eigentumsrechten um einen abzulehnenden "Götzendienst" handele.
Duchrow kritisierte auch seine deutschen Kirchenoberen, die die eindeutigen Beschlüsse von "Reformiertem Weltbund" oder "Ökumenischem Rat" gegen die neoliberale Variante von Globalisierung in ihren Texten teilweise nicht vollständig veröffentlicht hätten. Die Kirche macht kleine Winkelzüge, um sich Konflikte zu ersparen", so seine These.
Auf der Basis internationaler Kirchenbeschlüsse skizzierte Ulrich Duchrow zugleich Ansätze einer "gezähmten Marktwirtschaft", in der wichtige Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie Grund und Boden den Marktgesetzen entzogen werden müssten. Parallel benannte Ulrich Duchrow konkrete Projekte, die zu einem nachhaltigen Wirtschaften im regionalen Bereich führen können. "Die Menschen müssen durch eigenes Erleben wieder lernen, dass Kooperieren Erfolg bringt und Spaß macht", so eine seiner Schlüsselüberzeugungen. Keineswegs strebe er das Modell einer zentralen Planwirtschaft an, belehrte er seine Kritiker.

 



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