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NWZ vom 24.01.05

"Die Bilder dürfen nicht verschwinden"

Vortrag Prof. Dr. Fulbert Steffensky referiert in Pastorei über religiöse Erziehung - Rund 90 Zuhörer

Der Religionspädagoge sprach sich für feste Rituale im täglichen Leben aus. Gerade Erzählungen seien von großer Bedeutung.

Hude. Es ist Sonntag. Die Kirchenglocken läuten, Gläubige gehen in ihrem besten Anzug oder Kleid Richtung Kirche, um gemeinsam zu beten und zu singen. Christliche Rituale waren für Kinder früher ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens. In den säkularen Gesellschaften von heute ist der Kirchgang für viele Kinder aber eher die Ausnahme. Dabei sind es nach Ansicht von Prof. Dr. Fulbert Steffensky eben diese Rituale, die Kindern in einer sich verkomplizierenden Welt Halt und Orientierung geben können.
Das betone der Kirchenpädagoge nun vor rund 90 Zuhörern bei seinem Vortrag "Was heißt religiöse Erziehung in einer säkularen Welt?" in der Huder Pastorei. Er hob hervor, das es für Kinder wichtig ist, sich an festen Gepflogenheiten orientieren zu können - egal, ob es sich dabei um die Essenszeiten, das Gebet oder den Ort handelt, an dem ihnen vorgelesen wird.

Gerade Erzählungen bewertete Steffensky als zentrales Element der Traditionspflege. Lebensvisionen wie die christliche Lehre bräuchten Geschichten. "Die Bilder, die unsere Seele weinen und lachen lassen, dürfen nicht verschwinden ", sagte der Theologe.

Er warnte zugleich davor, den Inhalt von Erzählungen zu verharmlosen. Eltern müssten ihre Kinder vielmehr auch mit den negativen Seiten des Lebens wie zum Beispiel Angst oder Trauer konfrontieren. Die "kindgerechte" Sprache von Kinderbibeln komme dagegen einer Beleidigung gleich, das "sie Kinder nicht ernst nimmt".

Grundsätzlich müsse religiöse Erziehung das Ziel verfolgen, die Schönheit des christlichen Lebenskonzepts zu zeigen. Die Jugend brauche nichts mehr als Erwachsene, die sich und ihren Lebensentwurf auch nach außen profilieren. "Kinder können auf diese Weise lernen, dass man für etwas stehen kann", so Steffensky.

Aus diesem Grund sei auch schulischer Religionsunterricht von großer Bedeutung. Vorausgesetzt, er erfolge ohne Ansprüche und nicht mit dem Ziel, die Jugend von etwas überzeugen zu wollen. "Dennoch müssen die Kinder zumindest wissen, was unsere eigene Tradition ist", erläuterte der Kirchenpädagoge.
Zum Abschluss seines Vortrages zeigte sich Steffensky optimistisch, dass die christlichen Gepflogenheiten in Zukunft wieder mehr Beachtung finden. Er registrierte ein allgemeines Bedürfnis nach Ritualen, da das Leben ohne diese "Äußerlichkeiten" völlig veröden würde. "Daher bin ich überzeugt, dass sich die Jugend wieder den alten Traditionen zuwendet", sagte er.



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