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Kreiszeitung Wesermarsch 22.04.05:

Reine Selbstdarstellung aus Gefallsucht

Schönheits- und Gesundheitswahn: Referent geht auf die Darstellung in den Medien ein

Brake.
"Der medial vermittelte Schönheits- und Gesundheitswahn" lautete das Thema des Vortrages, den Professor Dr. Thomas Kleinspehn auf Einladung der Akademie Regional im Kirchenkreis Stedingen hielt. Der Referent näherte sich dem Thema auf drei Weisen.
Zunächst präsentierte er den Zuhörern einen Ausschnitt aus der Sendung "The Swan". Aus einer unscheinbaren Frau, die für mehrere Wochen aus ihrer Familie geholt wurde, entstand nach Operation, neuem Haarschnitt und Make-up eine nahezu neue Person, die als "schillernde Märchengestalt" die Bühne betrat. Dies, so Thomas Kleinspehn, sei kein "plattes Kopieren Hollywoods", denn bei diesen Frauen gab es vor der Aktion offene Wünsche.
Als nächstes erzählte er in Kurzform die Geschichte "Der Sandmann" von E.T. Hoffmann, die vor rund 200 Jahren spielte. Der Protagonist Nathanael erblickt im Haus gegenüber die formvollendete Frau, die fortan seine Gedanken beschäftigt. Er erlebt seine Verliebtheit als sehr extrem und begegnet eines Tages dieser Frau, mit der er sich auch noch wunderbar unterhalten kann. Sie ist einfach perfekt. Doch sie ist nur eine Maschine.
Eine dritte Annäherung erfuhren die Zuhörer in der Geschichte "Valerie oder das unerzogene Auge" von Erica Pedretti. Valerie sitzt einem Maler Modell, der seine Realität um ihn herum in Bildern fixiert. In der Beziehung der beiden ist sie nur ein Modell und ein Teil, das er malt. Mehr und mehr wird sie zu seinem Bild.

Körperideale
Welchen Sinn hat die Körperlichkeit in den Medien? In Illustrierten, Fernsehserien und anderen, auf die visuellen Sinne ausgerichteten Medien, seien Körperideale allgegenwärtig, so der Referent. Dort würden zum einen künstliche Inszenierungen gefunden wie gestählte, schöne Körper, oder es gehe in das Imaginäre - der Betrachter zieht sich in seine Fantasiewelt zurück.
Die Privatheit und Öffentlichkeit haben sich in den letzten 200 Jahren stark verändert. So werde heute oftmals Privatheit als öffentliches Ereignis in Talkshows oder Reality-Shows zelebiert. Der Mensch sei gehalten, sich ständig selbst darzustellen, um anderen zu gefallen. Er seit permanent darauf ausgerichtet zu wirken.
Diese narzistische Struktur der Moderne, sich in Szene zu setzen, verberge oft die Angst vor einem eigenen Versagen. Dabei spiele der Mensch jedoch oft nur eine Rolle und sei nicht mehr er selbst, machte der Referent deutlich. Oft werden Szenen aus Filmen nachgespielt. Dabei bleibe die eigene Körperlichkeit auf der Strecke.

Prägung über das Auge
Der Mensch von heute orientiere sich meist an Bildern, die auch eine große Suggestivkraft haben. Daher vollziehe sich heute auch der Prägungsprozess der Kinder und Jugendlichen vorwiegend über das Auge. Der Wunsch nach eigener Orientierung, so Thomas Kleinspehn, werde abstrakt zugedeckt. Denn schließlich sei die Welt nur einen Mausklick entfernt.



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