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Wilh. Zeitung 28.04.05

Das Leben leben und loslassen können

Vortrag: Dr. Daniela Tausch sprach

Wilhelmshaven. Vom Tod lernen? Den Tod ins Leben einbeziehen? Es ist gut für das Leben heute, jetzt! Wie der Tod ins Leben einbezogen werden kann, verriet die Psychologin Dr. Daniela Tausch in einer Gemeinschafts-veranstaltung von Evangelischer Akademie Oldenburg, Evangelischer Familienbildungsstätte Wilhelmshaven und Hospiz-Initiative Wilhelmshaven/Friesland.
Daniela Tausch hat eines der ersten Hospize in Deutschland aufgebaut und geleitet. Sie betreibt heute eine psychotherapeutische Praxis in Bremen. Ihre Erfahrung aus der Hospizarbeit, aber auch der plötzliche Tod ihres Ehemannes haben sie gelehrt, den Tode in das gegenwärtige Leben mit einzubeziehen. Dieses Wissen gab sie in einem lebendigen, teilweise erfrischend fröhlichen Vortrag im übervollen Gemeindesaal der Christus- und Garnisonkirche an ihre Zuhörer weiter.
Der Tod lehrt: Lebe jetzt und verbringe nicht all deine Zeit mit der Vorbereitung auf eine Zukunft - die möglicherweise gar nicht mehr stattfindet. Schau auf dein Leben zurück. Hast du "dein" Leben gelebt oder wirst du um viele verpasste Gelegenheiten trauern? Was würdest du, wenn du könntest, anders machen? Fang heute damit an!
Wer sein Leben gelebt hat, könne auch leichter loslassen. Das sei völlig unabhängig vom Alter. Es gebe Kinder, die "gehen" können, aber auch alte Menschen, die es nicht schaffen friedlich Abschied zu nehmen.
Andererseits ist es aber auch in sehr hohem Alter nicht zu spät, sein eigenes Leben bewusst zu leben. Auch in der Partnerschaft gelte: Was ist, wenn der Partner morgen nicht mehr da ist? Öffnung für die Liebe heiße nicht Konfliktvermeidung.
All das habe nichts mit dem "Positiven Denken" zu tun. Die dunkle Seite gehöre zum Leben dazu. Das hat die Referentin spätestens bei plötzlichen Tod ihres Ehemanns selbst erfahren müssen. All ihr Wissen, Können und ihre Erfahrung konnten ihr nicht weiter helfen. In dieser Situation habe sie gelernt, Verlust und Leid anzunehmen, zu "bejahen".
Das Akzeptieren des Verlustes, die Annahme der Trauer helfe dabei, zum Leben zurückzukehren. Das bedeute nicht, sich mit der dunklen Seite des Lebens anzufreunden, aber ja zu sagen zu dem, was nicht zu ändern ist. Annehmen heile. Auch Weinen über Kummer und Leid gehöre zum Leben, es macht frei. "Weinen ist eine Dusche für die Seele".



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