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Wilhelmshavener Zeitung v. 13.05.05

Kinderbetreuung erhöht Chancen

Diskussion: Familienarmut in Wilhelmshaven

Geld oder Familie? Diese provokante Frage stelle Dr. Petra de Buhr auf der Podiumsdiskussion im Gorch-Fock-Haus, zu der Evangelische Familienbildungsstätte und die Akademie der oldenburgischen Kirche eingeladen hatte.
"Arm ist, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat" definierte Dr. Petra Buhr vom Zentrum für Sozialpolitik an der Uni Bremen in ihrem Referat den ungeliebten Begriff Armut. Dabei bezog sich die Sozialwissenschaftlerin auf den bundesdeutschen Armuts- und Reichtumsbericht, an dessen Ausarbeitung sie mitgewirkt hat.
Als Risikogruppen benannte sie Arbeitslose, allein Erziehende, Migranten und junge Familien. Die Tatsache, dass die Entwicklungschancen für Kinder armer Familien schlechter sind, bezeichnete Dr. Buhr als "Verschwendung von Humankapital".
Rüdiger Schaarschmidt, Leiter der Familienbildungsstätte, begrüßte zur Diskussion Ursula Aljets, 2. Bürgermeisterin und Vorsitzende des Ausschusses für Soziales und Gesundheit, die Leiterin der Kindertagesstätte Bant I und Vorsitzende des Leiterkonvents der ev. Kindergärten in Wilhelmshaven Monika Meinen sowie Thomas Neumann vom Jugendamt der Stadt.
Sie schilderten aus ihrer täglichen Arbeit die Situation armer Familien in Wilhelmshaven: Allein erziehende Väter, die die Kindergartengebühren nicht mehr zahlen können, überschuldete allein erziehende Mütter, straffällig gewordene Minderjährige und um eine warme Mahlzeit bettelnde Kinder waren nur die "Fälle" von zwei Tagen, die Neumann aufzählte.
Für Ursula Aljets stellt sich Armut vor allem auch in der Unfähigkeit der Menschen dar, ihr Leben zu organisieren. Für die Sozialdemokratin ist es darum besonders wichtig, Hilfestellung für die Bewältigung des Familienlebens zu leisten.
Monika Meinen hat in ihrer Kita "die Armut im Haus". Die Hälfte aller Eltern könne den Beitrag nicht oder nur anteilig bezahlen. Körperliche und psychische Merkmale der Armut stelle sie täglich bei den Kindern fest. Die Kinderbetreuung bietet Wege aus der Armut. Zum einen erhöhen sich die Chancen für eine Erwerbstätigkeit der Eltern und zum anderen lindert sie die Folgen der Armut bei den Kindern.
Es müsse aber, so die einhellige Meinung, ein Umdenken in der Bewertung der Kindertagesstätten vor allem in strukturschwachen Gebieten erfolgen, wenn diese ihren erhöhten Anforderungen nicht nur in der Kinderbetreuung, sondern auch in der sozialen Beratungsfunktion gerecht werden sollen.



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