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Hunte Report vom 31.08.05

"Nicht über dem Wasser schweben"

Die Akademie der evangelischen Kirche zu Oldenburg versteht sich in erster Linie als Dialogpartner zwischen Kirche und Gesellschaft. Dabei stellt sie oft gesellschaftspolitische und kritische Fragestellungen in den Vordergrund ihrer hochkarätigen Veranstaltungen. Oft genug auch Fragen, die in kirchlichen Kreisen nicht immer gerne diskutiert werden.

Seit mittlerweile fünf Jahren macht sie das ohne ein festes Dach über dem Kopf. Aus Kostengründen wurde der Sitz der Akademie an der Heimvolkshochschule in Hankhausen aufgelöst. Seitdem ist man mobil. Für Akademieleiter Pfarrer Dieter Qualmann ist das kein Problem. Er hat jetzt das neue Programm vorgelegt und zieht nach fünf Jahren eine Bilanz. "Wir bringen unsere Themen an die Orte. Wenn wir über Globalisierung oder wirtschaftliche Fragen diskutieren, machen wir das in einer Bank, wenn es um Gesellschaftspolitisches geht, vielleicht in der Universität Oldenburg", so Qualmann. Dabei sei ihm bei der Suche nach geeigneten Orten selten die Tür versperrt geblieben.

Für ihn sind die Akademieangebote in erster Linie ein Bildungsauftrag der Kirche. Sie soll sich auch kritischen und wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen stellen. Wir müssen endlich Abstand nehmen von der Selbstinszenierung einer heilen Welt und über wichtige Themen diskutieren", betont Qualmann die Zielrichtung. Zu den Themen im neuen Programm gehören etwa Fragen, ob der Arbeitsplatz Kirche noch sicher sei oder wie es um die Zukunft des Religionsunterrichtes stehe. Es geht aber auch um politische und wirtschaftliche Visionen oder um heiße Eisen wie etwa die Frage, ob die alten Menschen angesichts leerer Rentenkassen die Jungen ausbeuten würden.

Dafür werden die Kontakte in Wissenschaft, Politik und die Kultur genutzt, um hochkarätige Fachleute für die Veranstaltungen einzuladen. "Wir haben noch den Mut, kulturelle Bildung auf hohem Niveau anzubieten und mit Fachleuten aus ganz Deutschland verbindlich zu diskutieren", so Qualmann. Gleichzeitig sind die Themen der Akademie auch eine Aufforderung an die Kirche, sich weiter zu öffnen. "Die gelegentliche Harmoniesucht der Kirche führt zu eigenen Konflikten. Wir können bei wichtigen Fragen aber nicht überm Wasser schweben", findet der 61-Jährige.

In den vergangenen Jahren haben sich 14.000 Teilnehmer für die 270 Veranstaltungsangebote interessiert, von denen nur 15 ausgefallen seien. An dem Etat von knapp 70.000 Euro beteiligt sich die Kirche mit 31.000 Euro. Der Rest wird mit Spenden und Eintrittsgeldern eingeworben. "Man kann sich fragen, ob die Akademie ein Luxus ist. Aber wir erreichen mit unseren Angeboten die Menschen, die von der Kirche weit weg sind. Darum sollte man angesichts der finanziellen Kirchensituation keine Prioritäten gegeneinander ausspielen", sagt Qualmann.

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