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NWZ-Wesermarsch vom 29.09.05

Fragen sind wichtiger als Antworten

VORTRAG: Jürgen Heumann stellt Anspruch auf konfessionellen Religionsunterricht in Frage

Der Wissenschaftler befasste sich mit der Zukunft des Unterrichts in Religion. Er stieß auf großes Interesse.

Brake/HB – Eine Zukunft des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen wird es nur geben, wenn die Religionen der Welt und die christlichen Kirchen darauf verzichten, dass die Lehren ihres Glaubens verbindlich für alle auf Kosten des Staates unterrichtet werden. Es komme nicht darauf an, jeweils religiöse Antworten zu beherzigen, sondern religiöse Fragen zu stellen. Mit dieser gewagten These beschäftigten sich die zahlreichen Zuhörer, die zur ersten Veranstaltung der Akademie Regional zum Thema Religion ins Paul-Gerhardt-Haus gekommen waren.

Prof. Dr. Jürgen Heumann von der Oldenburger Universität wies in seinen anschaulichen Vortrag darauf hin, dass es gegenwärtig bei Jugendlichen eine große Sehnsucht nach Religion und Spiritualität gebe, wie sie auf evangelischen Kirchentag und unlängst beim katholischen Weltjugendtag in Köln deutlich geworden sei. Es sei eine Sehnsucht, die sich nicht lehrhaft und begrifflich erschließen lässt, sondern durch Symbole und Rituale vermittelt wird und von einer bestimmten Atmosphäre getragen bleibt.

So sei es nicht verwunderlich, dass gegenwärtig der evangelische und katholische Religionsunterricht an öffentlichen Schulen als flächendeckendes Angebot längst zusammengebrochen sei. Heumann bezweifelte, dass die Kirchen, bislang gestützt auf das Grundgesetz und einschlägige Schulgesetze, ihren Anspruch auf einen konfessionellen Religionsunterricht aufrecht erhalten können.

Gestützt auf den Bildungsbegriff von Jan Comenius, nach dem all das in den Unterricht gehört, was wahr, klar, nützlich, festverbürgt und vollkommen ist, führte Heumann aus, dass es in Zukunft nur einen schulischen Unterricht in Religion geben kann, in dem folgende Grundfragen des menschlichen Lebens verbindlich für alles erörtert werden: 1. Wer bin ich? 2. Was bedeuten mir Leben und Tod? 3. Wie verhalte ich mich zu mir selbst und zu anderen? 4. Was bedeutet mir die Geschichte der Menschen? 5. Was bedeutet mir der Kosmos?

Ein von diesen Fragen her entworfener Religionsunterricht habe Zukunft, schloss der Referent. Dlie Frage, inwiefern die Religionen der Welt und die christlichen Kirchen in diesem Unterricht als solche noch ernst genommen werden, bleibe in der Diskussion unbeantwortet.



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