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NWZ vom 23.11.05

Immer weniger Pflege in der Familie

Auswirkung der Strukturen in der Gesellschaft

Die gesetzliche Pflegeversicherung in Deutschland hat kein Ausgabenproblem, sondern ein Einnahmenproblem. Diese These vertrat gestern Prof. Dr. Michael Simon auf einer Veranstaltung der Akademie der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg zum Thema "Pflege im Alter". Da die Beiträge zur Pflegeversicherung an die Arbeitseinkommen gekoppelt sind, laufen sie bei schlechter Lohnentwicklung und der Tendenz zu immer mehr Teilzeit- und geringfügiger Beschäftigung hinter der Wirtschaftsentwicklung her. Simon sieht derzeit drei Trends in der Pflegeversicherung. Es gebe einen Wechsel von Geldleistungen (an pflegende Angehörige) hin zu Sachleistungen (durch Pflegedienste). Dies erhöhe die Ausgaben. Es gebe einen Trend von höheren zu niedrigeren Pflegestufen, weil die Gutachter restriktiver vorgingen. Und es gebe einen Trend von der ambulanten zur stationären Pflege, weil pflegende Angehörige die Belastungen nicht mehr tragen können.

Hartmut Loots vom ambulanten Pflegedienst medus beklagte, dass der Gesetzgeber zwar vorgegeben habe, ambulante Pflege stehe vor stationärer Pflege, dies aber nicht der Praxis entspreche. Er kritisierte, dass die finanziellen Leistungen in den einzelnen Pflegestufen seit zehn Jahren nicht erhöht wurden, der Pflegebedürftige angesichts der Kostensteigerungen immer weniger für das Geld bekomme. Pflege würde von der Politik wie ein "industrieller Fertigungsprozess" gesehen, der keine ganzheitliche Versorgung zulasse.

Für Peter Stors von der Barmer Ersatzkasse ist die zunehmende Mobilitätsforderung der Wirtschaft ein Grund für die zurückgehende Pflege in der Familie. "Die Strukturen hierfür sind in unserer Gesellschaft immer weniger vorhanden."

Friedhelm Eilers vom Oldenburger Altenzentrum Bischof Stählin räumte ein, dass viele seiner Bewohner nicht im Heim untergebracht werden müssten, wenn die ambulanten Möglichkeiten besser wären. In vielen Heimen gäbe es auch Qualitätsprobleme, weil die gelernten Altenpfleger kein ganzheitliches therapeutisches Umfeld liefern könnten.



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