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NWZ-We 21.03.06

Kirche hinterlässt überall Spuren

Bischof Krug hielt zum 150. Geburtstag der Stadt Brake einen Vortrag. Er betonte die gemeinsame Verantwortung von Christengemeinde und Bürgergemeinde.

Zu ihrem 150. Geburtstag besuchte Bischof Peter Krug aus Oldenburg die Stadt Brake. Auf Einladung der Akademie Regional im Kirchenkreis Stedingen hielt er in der Agora des Gymnasiums einen aufschlussreichen Vortrag über das Verhältnis von Christengemeinde und Bürgergemeinde.

Er erinnerte die zahlreichen Zuhörer, darunter Bürgermeisterin Uta Maron und Vertreter der Parteien und Verbände, zunächst daran, dass schon in der Bibel das Verhältnis einer Glaubensgemeinschaft zur jeweils herrschenden weltlichen Ordnung stets aus Neue festgelegt wurde. So sei die Anweisung des Propheten Jeremias: "Suchet der Stadt Bestes!" ein eingängiger Leitgedanke, der bis in die Gegenwart hinein auch in der Geschichte der Stadt Brake nachweislich seine segenseichen Spuren hinterlassen habe. Der Bischof verwies auf die sozial-diakonischen, pädagogischen und kulturellen Bemühungen der Braker Kirchengemeinden, wie sie in der Chronik der Stadt Brake beschrieben worden seien.

Darüber hinaus gebe es heute vertraglich gesicherte Formen der Zusammenarbeit zwischen christlichen Kirchen und staatlichen Organen im Bereich der Diakonie, der Anstaltsseelsorge, des Religionsunterrichts, der Erwachsenenbildung, des Denkmalschutzes und der Kirchensteuererhebung. Das alles werde getragen vom volkskirchlichen Selbstverständnis der Christen, ihren Glauben nicht nur frei zu bezeugen, sondern auch in tätiger Mitarbeit lebendig werden zu lassen, damit Menschlichkeit gefördert, Unheil vermieden und Not gewendet werde. Die Kirche könne gar nicht anders, als stets auch für die Belange der Schwachen einzutreten und dabei politische Entwicklungen kritisch zu begleiten.

Das Verhältnis zwischen Christen und Bürgern in einer Stadt wie Brake sei, so der Bischof am deutlichsten an einem Modell erkennbar, wie es vor 60 Jahren der Theologe Karl Barth entfaltet habe. Christengemeinde und Bürgergemeinde seien zwei verschiedene Größen, die beide als Gemeinwesen in einem Ort dennoch gemeinsam verantwortlich zu handeln aufgerufen seien; die Christen für ihren Glauben, ihre Liebe und ihre Hoffnung, die sie frei bekennen und öffentlich bezeugen; die Bürger für ihre allgemeingültigen Rechtssatzungen und Ordnungen, die sie unter Umständen mit Zwang und Gewalt durchsetzen.

Dieses Modell könnte helfen, so Krug, gegenwärtige Streitfragen zwischen Christengemeinde und Bürgergemeinde verantwortlich und glaubwürdig für beide Seiten zu regeln, so zum Beispiel in der Frage, ob man in Niedersachsen eine Härtefall-Kommission für Asylanten einrichten müsse oder ob die Freiheit des Bürgers grenzenlos sei mit Blick auf den Karikaturenstreit.



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