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Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem – Soziale Utopien auf kommunaler Ebene

Die Deckung des Pflegebedarfs im Alter ist in unserer alternden Gesellschaft ein Dauerthema. Angesichts zunehmender Individualisierung auch im Alter mit Verringerung familialer Pflegepotenziale ängstigt die mögliche Erschöpfung pflegerischer Ressourcen für die letzte Lebensspanne mit schwindender Alltagskompetenz im privaten Bereich. Die menschlich entwürdigende und ökonomisch sich verschärfende Heimproblematik ist bekannt. Wenn unter diesen Umständen der seit Jahren als Institutionalisierungskritiker und Heimgegner bekannte Psychiater Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner mit einer ausschließlich ambulanten altenpflegerischen Betreuung das Ende der stationären Versorgung einläutet, dann sollte ihm die Aufmerksamkeit aller mit den Altenhilfesystemen befassten Sozialberufler und Experten gewiss sein.

Doerner Dritter Sozialraum 04-2010 -1 Doerner Dritter Sozialraum 04-2010 -2

Beim lebenslangen Credo des mittlerweile 74jährigen Klaus Dörner für die Ent-Institutionalisierung und Heimauflösung nimmt es nicht Wunder, dass er der ausschließlichen Versorgung alter Pflegebedürftiger in ihrem angestammten Wohnbereich das Wort redet. Wenn von den für 2050 erwarteten 3 Millionen Pflegebedürftigen nach seriösen Schätzungen 42 Prozent stationär versorgt werden müssten, würde die Heimbewohnerzahl von gegenwärtig 700.000 Menschen auf 1,3 Millionen Heimbewohner steigen. Bei der von Dörner bereits jetzt konstatierten "Konzentration der Unerträglichkeit" im Heimbereich der Super-Gau. Dazu noch begleitet von einem Kostenanstieg von 30 Milliarden Euro. Dörner weist folglich den Weg vom für ihn unabänderlichen Heim-Auslaufmodell zum "Übersprungsmodell" der im bürgerschaftlichen, dritten Sozialraum angesiedelten, ausschließlichen ambulanten Wohnpflegegruppen-Betreuung der alten Pflegebedürftigen. Helfer und Helferinnen sind für Dörner hierbei in Anlehnung an das alte Subsidiaritätsmodell die Pflegebedürftigen mit ihren verbliebenen Kräften selbst, ihre Angehörigen, Freunde, Nachbarn und Stadtteilbürger vor den Professionellen. Dieses Helfer-Setting muss zur Aufrechterhaltung seiner Lebensweltlichkeit ("wo ich hingehöre") bürgerzentriert und darf nicht mehr profi-zentriert sein: Die Hilfe muss zum alten Menschen gebracht werden statt dass dieser in die Hilfesysteme transferiert wird.

Dörners am skandinavischen Behinderten-Normalisierungsprinzip orientiertes Eintreten für eine ausschließlich ambulante Altenpflege ist aufrüttelnd, wie sich auch bei der sich dem Vortrag anschließenden Podiumsdiskussion zeigte: Engagierte und sachkompetente Diskutanten waren hierbei:

  • Heinz-Hermann Buse, Diakonisches Werk Oldenburg-Stadt
  • Irene Veenhuis, Diplomökonomin und Sozialwissenschaftlerin, DGB, Oldenburg
  • Elke Wicherts, Leiterin des Stadtplanungsamtes, Oldenburg

Doerner Dritter Sozialraum 04-2010 -3Geleitet wurde die Veranstaltung von Dr. Andrea Schrimm-Heins

Es zeigte sich, dass Dörners Einsatz für eine Lebenswelt-Pflege den Vorteil hat, dass er aus eigener Anschauung kennt, wovon er spricht. Aber er ist auch so offen, sich nicht darauf zu versteifen, dass es so kommt, wie er es für unabweisbar hält.

Bleibt zu hoffen, dass die Diskussion in und für Oldenburg weiter geführt wird – dies wäre sicherlich auch im Sinne der 85 ambitionierten ZuhörerInnen der Veranstaltung.

Bernd Landwehr

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