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The Rosa Parks Story - Film und Vortrag am Donnerstag, 3. Dezember 2009

Gemeinsame Veranstaltung des cineK und der Ev. Akademie, sowie der Rosa Luxemburg-Stiftung

Diese Welt braucht mehr Träumer. Träumer wie Martin Luther King, der in seiner "I have a dream" Rede den Glauben und die Hoffnung der afroamerikanischen Bevölkerung auf Gleichberechtigung und Freiheit ausdrückte. Träumer wie Rosa Parks, die den Mut aufbrachte sich gegen den Albtraum ihres Daseins zu wehren und für ihre Rechte aufzustehen - paradoxerweise indem sie sitzen blieb, auf dem Platz, den sie für einen Weißen hatte räumen sollen.

Montgomery, Alabama, 1. Dezember 1955. Eine schwarze Frau weigert sich ihren Platz im Bus für einen Weißen zu räumen – und wird verhaftet. Die Geschichte von Rosa Parks, deren Verhaftung eines der auslösenden Ereignisse der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung war, wurde im Spielfilm "The Rosa Parks Story" umgesetzt und nun vergangene Woche im Cine K der Kulturetage in Oldenburg gezeigt. Ein Höhepunkt der Veranstaltung war dabei der Vortrag und das sich anschließende Gespräch mit der Kirchenmusikerin Flois Knolle-Hicks aus Frankfurt, die in der Stadt Baltimore in Maryland, USA, aufgewachsen ist und von ihren persönlichen Erinnerungen an die Bürgerrechtsbewegung berichtete.

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"Als Kind dachte ich, nur Schwarze sterben, Weiße leben für immer" so beschrieb Flois Knolle-Hicks die über viele Generationen gewachsene Lebenserfahrung des Rassismus in den USA. "Unser Platz in der Welt der Weißen war unten oder weit weg, auf jeden Fall anderswo, nicht da, wo sie selber gingen, saßen, standen, kurz: lebten, obwohl wir ihre Küchen putzten, Autos steuerten, als ,Nannys‘ ihren Kindern den Po abputzten und ihre Häuser und Straßen schrubbten."

"Seperated but equal" – getrennt, aber gleich – so lautete der Slogan, nach dessen Prinzip die weiße Vorherrschaft in Amerika nach der Abschaffung der Sklaverei garantiert werden sollte. In der Realität bedeutete das, dass Schwarze und Weiße von der Wiege bis zur Bahre getrennt waren, von getrennten Stockwerken in Krankenhäusern bis zu getrennten Friedhöfen. "Sogar im Tod waren wir getrennt", sagte Flois Knolle-Hicks. Kaufhäuser blieben für Schwarze ebenso verschlossen wie Universitäten und eine Vielzahl an Berufszweigen.

Die Trennung zog sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche, so auch durch die Kirchen und Gemeinden. Nach einigen großen Aufständen in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts war den Sklaven der eigene Gottesdienst verboten worden. Doch die schwarzen Gemeinden existierten weiter, überlebten im Untergrund und wurden für viele Schwarzen zu einer Heimat. Dort spielte sich das soziale und kulturelle Leben ab, "dort konnten wir befreit jauchzen und gemeinsam weinen über einen schon wieder zu früh gestorbenen Jungen", so Flois Knolle-Hicks. "Hier konnten wir die Last einer ganzen Woche voller Kontrolle über uns abstreifen." Kontrolle hieß dabei vor allem Selbstkontrolle, hieß ständig darauf zu achten, die Rolle beizubehalten, die für die Schwarzen in der amerikanischen Gesellschaft vorgesehen war. "Rassismus ist, wenn du nicht existierst. Du bist da, aber du bist nicht in der Werbung, du bist nicht in der Illustrierten, du bist nicht im Fernsehen und du bist einfach nicht gemeint", sagte Flois Knolle-Hicks.

Die Bewegung, die durch die Verhaftung Rosa Parks losgetreten worden war und den darauffolgenden Montgomery Bus Boykott verursachte, in dem große Teile der afroamerikanischen Stadtbevölkerung die Öffentlichen Verkehrsmittel bestreikt hatte, kam erst Jahre später in Baltimore an. Inzwischen hatten die Schwarzen nationale Aufmerksamkeit bekommen, insbesondere Martin Luther King und die jungen politischen Aktivisten der SCLC (Southern Christian Leadership Conference), die zum gewaltlosen Widerstand aufriefen. Schwarze wie Weiße schlossen sich dem wohl populärsten Anführer der schwarzen Bürgerrechtsbewegung an. Auch Flois Knolle-Hicks organisierte mit ihren Mitschülern Boykottmaßnahmen, in den schwarzen Gemeinden und Familien wuchs die Spannung auf das, was noch kommen würde, und damit auch die Anspannung und Angst angesichts der vielen Todesfälle und dem harten Durchgreifen der Polizei.

Was kam, war unter anderem eine neue Bewegung, die sich von der christlichen Bürgerrechtsbewegung abgrenzte – die Black Power Bewegung, die radikaler und militanter gegen den Rassismus auftrat. Flois Knolle-Hicks äußerte hierzu gespaltene Gefühle. "Wir hatten Angst vor den Gewaltausbrüchen und erlebten doch zugleich, dass wir endlich begannen so etwas wie Würde unserer selbst zu entdecken."

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Sowohl die gewaltlose Bürgerrechtsbewegung als auch die militante Black Power Bewegung hatten ihre Auswirkungen; die Aufhebung der Rassentrennung 1964, ein neu entwickeltes schwarzes Bewusstsein und die Wahrnehmung der afroamerikanischen Kultur in der Öffentlichkeit zählen ebenso dazu wie die Integration einiger Schwarzen in sehr wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Positionen. "Aber die Masse der Schwarzen blieb, wo sie war: In der gesellschaftlichen Unterschicht", so Flois Knolle-Hicks. "Und nur weil wir einen schwarzen Präsidenten haben, heißt das nicht, dass sich heute alles verbessert hat." Insgesamt gesehen hat die Bürgerrechtsbewegung in den USA entscheidende Erfolge verzeichnen können – doch Martin Luther Kings Traum ist noch immer nicht ausgeträumt.

Annabelle Knolle



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