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Kultur Blind Date am Freitag, den 19. Juni 2009

Eine Mischung aus erwartungsvoller Spannung und Fragezeichen war in den Gesichtern der Gäste des Kultur-Blind-Dates 2009 zu lesen, als sie sich am Freitag, dem 19. Juni um 17.30 Uhr bei der Weser-Ems-Halle einfanden, denn das Ziel und was ihnen dort geboten werden würde, war wieder niemandem bekannt – außer dem Organisator Uwe Fischer und vielleicht dem Busfahrer. Doch als die Schar sich nach knapp sechs Stunden wieder am Ausgangspunkt einfand, war Zufriedenheit das vorherrschende Gefühl und es erfolgte ein munteres Abschiednehmen zwischen Leuten, die sich z.T. zuvor noch nie gesehen hatten. Was war in der Zwischenzeit geschehen?

Die Reise führte diesmal Richtung Norden, zur Bäderstraße entlang des Jadebusens – und erstes Ziel war ein Bauernhof in Norderschweiburg. Auf der nach einer Seite offenen Tenne, wo es sich die Teilnehmer unter Wolldecken kuschelig machen konnten – der befürchtete Regen blieb zum Glück aus – gaben sich Maskenspieler ein Stelldichein. Das "Theater unter den Sternen" hatte Vorpremiere mit ihrem Stück "Die Liebe und das Meer" – fünf Episoden, die die Spannbreite des Themas erschlossen: mal laut, mal romantisch, mal abenteuerlich, mal tragikkomisch und zum Schluss mythologisch. Ein sinnliches Maskentheater, gespickt mit liebevollen Details:

Da sind zunächst die Gondolieri mit ihren Streitereien und Schwierigkeiten des Alltags, gefolgt vom Trennungsschmerz der Lady Hamilton wegen ihres Helden Lord Nelson.

BlindDate09 Maske Briten BlindDate09 Maske Brite

Der wiederum während seiner routinierten Seeschlachtenführung einem Attentat nur entgeht, weil er als Brite die teatime pünktlich zu nehmen pflegt – woran auch die Zuschauer partizipieren, weil auch ihnen kleine Kostproben gereicht werden.

BlindDate09 Maske Havelprinzessin

Als unweit nach der Pause die vom Schicksal hart getroffene "Havelprinzessin" – natürlich auf einem Schifferklavier – herzergreifend das alte Biermannlied "Das kann doch nicht alles gewesen sein" intoniert, stimmt man ihr zu und ist froh, den nanamäßig üppigen Sirenen noch begegnet zu sein, deren Klagen und Sehnsüchte unterstrichen werden von singenden Sägen und Gläsern.

Nach dem wohlverdienten Schlussapplaus war man kulturell gesättigt, doch ein Großteil der Wiederholungstäter unter den Gästen war sich sicher: auch das konnte noch nicht alles gewesen sein. Und so stiegen sie hoffnungsvoll in den Bus – um ihn nach zwei Minuten wieder zu verlassen, denn es wurde nur die Seite des Deiches gewechselt und von der Deichkrone erblickte die Schar eine wie ausgestorben daliegende Container und Wohnwagenansammlung.

Leicht irritiert ging man, sich der stützenden Energie der Gruppe gewiss, auf das Areal zu und war umso überraschter, als beim Betreten wie aus dem Nichts ein munteres Trüppchen in Latschen, Bademantel und Handtuchturbanen mit lautstarken Juuuhuuu und einladend winkend auf die Blind Dater zurollte – zehn unermüdliche "WohnwagenbesitzerInnen", gespielt von Mitgliedern der Theatergruppe von Heike Scharf im Soziokulturellen Zentrum Seefelder Mühle und deren Umfeld.

BlindDate09 Camper 1 BlindDate09 Camper 2

Nach altem Brauch werden bunte Begrüßungsketten überreicht und flugs findet man sich in spontan zusammengesetzten Kleingruppen in gemütlich dekorierten Wohnwagen wieder. Dort werden alle von ihren Gastgebern liebevoll und vor allem humorvoll verköstigt.

BlindDate09 Wohnwagen 1BlindDate09 Wohnwagen 2BlindDate09 Wohnwagen 4BlindDate09 Wohnwagen 5BlindDate09 Wohnwagen 6BlindDate09 Wohnwagen 7

Was auch immer im Einzelnen in den Wohnbüchsen passiert sein mag: Dass der Clou gelungen war, stellte sich nach einer Stunde beim Eisschlemmen und posieren für´s Gruppenfoto heraus – denn die Stimmung war toll und die Bewertung der Idee mit dem Essen im Campingwagen lautete: "...grandios, sehr lustig und kommunikativ, weil man in lockerer Runde schnell wildfremde Leute auf engem Raum kennen lernen konnte."

BlindDate09 Bus

Danach musste die Heimfahrt angetreten werden und auch hier zeigte sich, wie wohldurchdacht auch dieser Blind Date einmal mehr organisiert wurde: denn zwei Minuten später hätten die Teilnehmer das Gelände aufgrund der steigenden Flut nicht mehr trockenen Fußes verlassen können (der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass wir uns am Rande des schwimmenden Moores, dem einzigen Außendeichsmoor der Welt bei Sehestedt befanden).

Fazit: es war spannend, es war lustig, es war abwechslungsreich und viele hätten sich am liebsten gleich in eine Liste für 2010 eintragen lassen – was wollen Sie mehr, Herr Fischer?

Bernd Landwehr

Ein Radiobeitrag zu der Veranstaltung wurde am Mittwoch, dem 15. Juli 2009 vom Lokalsender Oeins innerhalb der Sendung "Oli´s Radioshow" gesendet. Auch jetzt noch kann der Beitrag auf You Tube über das Archiv von Oli´s Radioshow angesteuert werden.

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