Inhalt Rechts

Rechte optische Spalte

Inhalt Mitte

Hauptinhalt

.

zurück / Hermann-Ehlers-Symposium

EZ Nr. 41 vom 10.10.04

Urmenschliche Sehnsucht

Symposion zum 100. Geburtstag Hermann Ehlers

 

Oldenburg. Nach Ansicht von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker muss sich christliche Politik am einzelnen Menschen ausrichten. Dabei habe keine Partei das Monopol auf das Christentum. In allen demokratischen Parteien gebe es Christen. Zudem sei das Christentum wesentlich älter als alle politischen Gruppierungen, sagte er am Wochenende in Oldenburg auf einem Symposion zum 100. Geburtstag des ehemaligen Bundestagspräsidenten und Oldenburger Kirchenjuristen Hermann Ehlers (1904-1954).

Die Grundwerte von Freiheit und Gerechtigkeit seien urmenschliche Sehnsüchte und in den demokratischen Parteien unumstritten, sagte von Weizsäcker. Streiten müsse man allerdings darüber, wie diese Werte in der Politik umzusetzen seien. In Anlehnung an Hermann Ehlers sagte von Weizsäcker, "die Probleme der Zeit wären lösbar, wenn wir in der Lage wären, gemäß der Bergpredigt zu handeln. Doch wir Menschen scheitern immer wieder daran".

Der christdemokratische Politiker rief dazu auf, das eigene Handeln an den Forderungen der Bergpredigt kritisch zu überprüfen. Das gelte auch für seine eigene Partei: "Wir müssen uns immer wieder fragen, was das 'C' in der CDU bedeutet", sagte der 83-jährige Alt-Bundespräsident. Christus habe ein konkretes Verhalten vorgelebt, dass durch die vorbehaltlose Zusage an den Menschen geprägt sei.

Der Präsident des Landeskirchenamtes der hannoverschen Landeskirche, Eckhart von Vietinghoff, hob Ehlers Wirken als Kirchenpolitiker hervor. Mit seiner Kompromissfähigkeit und den Erfahrungen aus der Zeit des Kirchenkampfes sei er 1948 maßgeblich an der Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und deren Grundordnung beteiligt gewesen. Kennzeichen sei dabei, dass nur wenig vertraglich geregelt worden sei und Streitfragen bewusst offengelassen wurden. Ehlers sei es zu verdanken, dass die Verpflichtung zur Weiterentwicklung der EKD Teil dieser Grundordnung geworden sei.

50 Jahre nach dem Tod Ehlers sei man dieser Verpflichtung mit einem entscheidenden Schritt näher gekommen: Am 22. September habe man sich darauf geeinigt, alle gliedkirchlichen Zusammenschlüsse innerhalb der EKD enger zusammen zu binden. Künftig solle es nur noch ein Kirchenamt geben. Allerdings müssten noch die 23 Landeskirchen zustimmen, damit die Reform in drei Jahren in Kraft treten könne.

Für den Evangelischen Arbeitskreis in der CDU/CSU, den Hermann Ehlers 1952 gegründet hatte, würdigte dessen Bundesvorsitzender Thomas Rachel den christlichen Politiker. Für ihn sei die Auffassung von Ehlers bis heute prägend, dass ein evangelischer Christ auch in der Öffentlichkeit ein evangelischer Christ bleibt. Evangelische Verantwortung in Politik und Gesellschaft zeichne sich dadurch aus, dass die eigene Glaubensverantwortlichkeit und Gewissensentscheidung nicht delegiert werden könne. Der Oldenburger Bischof Peter Krug lobte Hermann Ehlers als Menschen, der die unmittelbare Nachkriegsgeschichte innovativ mit gestaltet habe.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff nannte den Kirchenjuristen und Politiker einen Menschen mit Herzensbildung, der sein Leben und seine Arbeit nach christlichen Grundwerten ausgerichtet habe. Ehlers habe sich nach dem Lende des Nationalsozialismus als evangelischer Christ und Politiker für den Wiederaufbau und die Entwicklung des am Boden liegenden Gemeinwesens eingesetzt. Die Forderung nach einem in Verantwortung gelebten Christentum habe Ehlers Arbeit bestimmt.


zurück



.