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„Potenzial der Jugend im Blick haben"

Ugandas Botschafter diskutierte im PFL mit Gästen und Publikum
Wie gelingt es, den Jugendlichen in Uganda eine Zukunftsperspektive zu geben? Dieser Frage – stellvertretend für viele Länder Afrikas, aus denen die überwiegend jungen Flüchtlinge nach Europa kommen – stellten sich die Gäste einer Podiumsdiskussion im Kulturzentrum PFL am Dienstagabend auf Einladung der Evangelischen Akademie und des Ökumenischen Zentrums. Eines kristallisierte sich dabei ganz klar heraus: Jede Hilfe von außen ist nur dann sinnvoll, wenn sie die individuellen Gegebenheiten eines Landes sensibel im Blick behält.

Botschafter Ugandas in Berlin, Marcel R. Tibaleka Der Botschafter Ugandas in Berlin, Marcel R. Tibaleka (Mitte) im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Peter Meiwald (Bündnis 90/Die Grünen), Lena Nzume von der Koordinierungsstelle Integration und Teilhabe der Stadt Oldenburg, Moderatorin Ina Grieb von der Carl von Ossietzky Universität, Lezon Mark Mugwanya von der Sosolya Undugu Dance Academy (v.li.) und den Dolmetschern der afrikanischen Gäste

Moderatorin Ina Grieb von der Carl von Ossietzky Universität begrüßte auf der PFL-Bühne den Botschafter Ugandas in Berlin, Marcel R. Tibaleka, Lena Nzume von der Koordinierungsstelle Integration und Teilhabe der Stadt Oldenburg, den Bundestagsabgeordneten Peter Meiwald (Bündnis 90/Die Grünen), Lezon Mark Mugwanya von der Sosolya Undugu Dance Academy, Ralf Classen von der Hamburger Initiative Kinderkulturkarawane sowie die Lüneburger Studentin Lena Heuer vom Eirene-Freiwilligendienst. Die Sosolya Undugu Dance Academy – ein Projekt, das jungen Menschen aus prekären Verhältnissen eine neue Lebensperspektive geben will – ist zurzeit zu Gast in Oldenburg, um für Verständnis und Toleranz unter den Völkern zu werben.

Von den 34 Millionen Menschen in Uganda seien 75 Prozent Jugendliche, betonte der Botschafter. Ihnen müsse der Staat helfen. Zwar habe Uganda sich in den vergangenen Jahren um eine gute Bildung für den Nachwuchs bemüht, dabei aber seien die traditionellen Handwerksberufe aus dem Blick geraten. „Die jungen Menschen streben nach gut bezahlten Bürojobs." Doch die seien rar. 85 Prozent der Bevölkerung lebten auf dem Land, gleichzeitig wanderten viele junge Leute in die Städte ab in der Hoffnung auf eine gute Ausbildung. Ein funktionierender Markt, auf dem die Menschen ihre eigenen Produkte verkaufen können, existiere in vielen afrikanischen Ländern nicht mehr, machte Lena Nzume deutlich. „Billigware aus dem Ausland zerstört hier das regionale Angebot", erklärte sie.

Botschafter Ugandas in Berlin, Marcel R. Tibaleka 2Der Botschafter Ugandas in Berlin, Marcel R. Tibaleka, stand auch für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.

Die Bilder von Kindersoldaten, die im Bürgerkrieg in Uganda kämpften, gingen vor einigen Jahren um die Welt. Seit 2006 herrscht Frieden in Uganda. Doch noch immer seien viele junge Menschen von diesen Erlebnissen traumatisiert, andere haben in diesem Krieg ihre Eltern verloren, betonte Ralf Classen von der Kinderkulturkarawane. „Mit Kindern in Kulturprojekten zu arbeiten und ihnen dadurch erstmals wieder Selbstvertrauen zu geben, ist ein entscheidender Schritt", betonte er. Dabei müssten die Kinder gar nicht so sehr angeleitet, sondern nur ermutigt werden. Das zeige die langjährige Erfahrung. „Unsere Arbeit inspiriert die Kinder, zu sich selbst zu finden", bestätigte Lezon Mark Mugwanya. Die Regierung wisse zwar von diesen Projekten, unterstütze sie jedoch nicht. „Im Moment allerdings sieht es so aus, als ändere sich das. Denn wenn von staatlicher Seite nichts getan wird, kann es schnell wieder zu Unruhen und sogar zum Krieg kommen", warnte er.

Der Freiwilligenaustausch sei derzeit eine Einbahnstraße, bedauerte Lena Heuer vom Eirene-Freiwilligendienst. „Die Jugendlichen in Uganda haben größte Schwierigkeiten, ein Visum für Europa zu bekommen." Dabei seien Kontakte und der Austausch von Erfahrungen immens wichtig für beide Seiten. Das bestätigte auch Peter Meiwald: „Hier gibt es ganz große Hürden. Aber es darf nicht sein, dass solche Austauschprogramme nur einseitig sind." Dadurch werde den Jugendlichen auch die Chance genommen, etwa ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb in Europa zu machen – auch und gerade im Bereich der erneuerbaren Energien. „Dabei ist Solarenergie für den Süden ein großes Thema."

Nicht nur für das Handwerk, auch für die Landwirtschaft müsse die Jugend in Uganda wieder begeistert werden, so ein Plädoyer aus dem Publikum. „Die Menschen dort brauchen keine Wohltaten von außen – sie müssen ein neues Bewusstsein dafür bekommen, welche Chancen sie haben und wie sie ihr eigenes Land wieder entwickeln können", meinte eine weitere Besucherin. „Wir haben heute Abend – wie so häufig – darüber diskutiert, was Staaten machen können", meinte Ralf Classen in einem Schlusswort. „Nicht darüber, welch ein Potenzial in den Kindern und Jugendlichen steckt. Das müssen wir viel mehr in den Blick nehmen."

Sosolya Undugu PFLEinen Vorgeschmack auf ihr Konzert am Donnerstag gab die Gruppe Sosolya Undugu bereits im Rahmen der Podiumsdiskussion.

Wieviel Kraft und Selbstbewusstsein Kulturprojekte für Kinder freisetzen können, zeigt die Sosolya Ugundu Dance Academy in ihrem Konzert am Donnerstag, 16. Juli, um 19 Uhr in der IGS Flötenteich.

Text und Fotos: Anke Brockmeyer / Ev. Akademie

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